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massive mudcake baby

Montag, August 24th, 2009 | Author:

Unter Kurt wohnt Benno. Benno hat auch lange blonde Haare, sieht fast genauso aus wie Kurt und hat eine Landgothic-Freundin ( Landgothics mögen Rockmusik, sind einfach, bodenständig, fahren auf Festivals und sind trotz rotgefärbter Haare ansonsten eher spießig und tragen Brillen zu Pannesamtkleidern oder Metalshirts). Grundsätzlich eine symphathische Angelegenheit, man muss sich nur bisweilen vor zu einfachen Weltbildern oder gesellschaftlicher Verbitterung in Acht nehmen.

Mein Handgelenk tut vom Akkord-Anstreichen weh, genauso wie der Rest meines Körpers. Zum Glück habe ich bald eine Badewanne, in die ich mich hineinlegen und dank rockiger Nachbarn in satten Dezibeln ‘Massive Attack’ aufdrehen kann. Konträr zum ersten Eindruck des Namens ist das kein Gehämmer sondern  ernst zu nehmende Badewannenmusik.

Ich habe es aber tatsächlich geschafft noch ein wenig Ferien zu machen: Mit dem Motorrad ins Freibad, zwei Lagerfeuernächte, ein extrem schokoladiger Schokokuchen und ein neues (zugegeben wieder leicht niveauloses aber spaßiges) Lied, in dem es um eben diesen Schokokuchen geht: “Chocolate mudcake baby”.

I had it on you baby/you had in on me babe/we had it on each other all nigt long/ we had some chocolate mudcake baby/so sweet and sticky baby/chocolate mudcake and some redwine from your bellybutton baby.

You gave it to me baby / right from the oven baby / made me salivate yeah / hot and fresh chocolate mudcake / chocolate mudcake baby/so sweet and sticky baby/chocolate mudcake and some redwine from your bellybutton baby.

When the sun rose you said / stay for breakfast lady / I’ll make you tea and we’ll have sweet and sticky chocolate mudcake / chocolate mudcake baby/so sweet and sticky baby/chocolate mudcake and some tea with milk and sugar baby.

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Bauhaus Blues

Mittwoch, August 12th, 2009 | Author:

Sich als drittklassiger Baumarkt mit dem Namen der weltberühmten Weimarer Schule für Architektur und Gestaltung zu schmücken ist schon ganz schön dreist. Schlechteren Service gibt es nur im Supermarkt bei mir um die Ecke, aber da wenigstens mit Herz. Im drittklassigen Baumarkt summiert sich die “ausführliche Beratung”, die angeblich stattfinden soll, in einem schnöden “Weiss ich nicht”.

Wenn man sich ein Gerät für teures Geld leiht und das dann auch noch mitten bei der Arbeit wegen schechter Wartung den Geist aufgibt, beschwert man sich natürlich. Dann behalten die einfach erst mal die Kaution von 200 Euro, so dass man zwei Wochen ausgehungert wird bevor sie sich entscheiden ob man Recht hatte…

Oder aber man sucht eine Stunde nach einem Sanitärteil. Dann findet man endlich eine Mitarbeiterin, die man fragen kann (die beiden Teenies in Zahnspange, die sich gerade über das letzte Saufgelage unterhalten haben, wollte man lieber nicht fragen) und wird in die Abteilung geführt, in der man schon vier Mal jede Ecke abgesucht hat. Währenddessen ruft die Mitarbeiterin jemanden an. Dann wirft sie einen kurzen Blick auf ein Regal und sagt “Hab ich nicht mehr.” als wäre sie der Wirt, dem eine Biersorte ausgegangen ist, und nicht ein Teil das eigentlich in mannigfacher Ausführung in solch einem großen Baumarkt vorhanden sein sollte. Verwirrt bleibt man stehen, sie redet ja auch gerade am Telefon, und das Regal sieht nicht so aus, als wäre jemals ein Platz für das Teil was man sucht vorbestimmt gewesen. Sie schaut einen eindringlich an und sagt noch etwas schnauzender: ” Wie gesagt, das hab ich nicht mehr!” bevor sie sich wieder dem Gespräch mit ihrer Freundin zuwendet, der sie erklärt, dass Birgit sie abholen kommt und man sich ja dann später treffen könne. Keine Chance zu fragen ob man so ein Ding in absehbarer Zeit wieder kaufen kann, wo man sonst danach gucken könnte oder wie es eigentlich richtig heisst…

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Kurt

Dienstag, August 11th, 2009 | Author:

Ich träumte von Maschinen. Gross, schwer, dröhnend wiegten sie sich durch meine Nächte. Walzenschleifer oder Tellerschleifer? Randschleifer oder Schwingschleifer? Erst als wir die Maschinen tatsächlich unter Aufbietung unmenschlicher Kräfte die drei Stockwerke zu unserer neuen Wohnung hochschleppten, liess das Rattern in meinem Kopf nach.

Oben angekommen stellten wir fest, dass der seltene Fall eingetreten war und der Strom abgestellt war. Keine Maschinen, kein Licht. Dann hörten wir unten im Flur Türenknallen, schwere Schritte, Gemurre, Genöle und das schwere, heisere Hecheln von zwei monströsen Hunden. Na super. Mehr Türenknallen und dann Technogewummer. Welch Freude, die neuen Nachbarn!

Nachdem wir von einer unbemannten Steckdose auf dem Speicher ein Kabel abgeleitet hatten, gingen wir erstmal unten klingeln, um extreme Lärmbelästigung durch Dielenschleifen anzukündigen und uns ein näheres Bild unseres Nachbarn zu machen – noch war es nicht zu spät die Sache abzublasen.

Unser neuer Nachbar – ich nenne ihn mal Kurt – öffnete uns die Tür nur in Jeans, mit langen blonden Haaren und Brustwarzenpiercing, hinter ihm eine stilvoll eingerichtete, leicht ranzige Rockerbude. Cooler als erwartet. Die Hunde waren nicht riesige Biester, sondern zwei kleine französische Bulldoggen, die aufgrund ihrer missgebildeten Anatomie kaum atmen und ergo auch nicht bellen konnten, was mich trotz einem gewissen Mitleid zugegebenermaßen sehr erleichterte.

Kurt klärte uns voller Stolz darüber auf, dass es sich um ein äusserst freizügiges Haus handle, wo jeder tun und lassen könne was er wolle. Man müsse sich also nicht wundern wenn mal jemand mit seinem Koks durch den Flur laufe. Nur wenn der Bongospieler von unten fünf Tage auf Pep durchtrommle, dann rufe man schon mal die Polizei. Als Kurt erfuhr, dass wir Klavier und Gitarre besitzen, zeigte er uns sofort sein kleines Tonstudio. Wir erfuhren, dass er Programmierer sei und gerne schon mal den ganzen Tag Drum’n'bass höre. Meine Erleichterung hierüber hielt sich in Grenzen, doch wir beschlossen, Kurt und dem Bongospieler eine mit gewisser Vorsicht angestrebte Chance zu geben.

Jetzt ist es sowieso erstmal zu spät. Nach vielen Stunden ohrenbetäubenden Lärms, Schweiss und Staub haben wir nun wundervolle, nach Holz und Wachs duftende, helle Dielenböden und morgen auch wieder Strom. Sollten wir irgendwann mal Drogen brauchen, wissen wir jetzt wo wir sie herbekommen. Wir halten die Scheiben von Io’s alter Death-Metal-Band als Gegenmittel parat und hoffen das Beste, lieber Leser.

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Ruhrpott-Blues

Dienstag, August 04th, 2009 | Author:

God-City liegt im Ruhrpott. Ich dachte immer der typische Ballermann6-Gartenzwerg-Dackel-Ruhrpöttler wäre nur ein Klischee… aber da habe ich mich wohl ein wenig getäuscht. Immerhin kann man sagen, dass selbst der hinterletzte ranzige Vermieter nicht müde wurde, die kulturellen Vorzüge der Stadt zu preisen, in der wir jetzt auch – allerdings bei einem netten Vermieter – eine Wohnung haben. Und was für eine! 80 Quadratmeter für 560 Euro warm, der allgemeine Mietspiegel in God-City und die vielen leerstehenden Wohnungen zeigen, was für ein beliebtes und belebtes Pflaster das hier ist ;-) … Nun gut, in der Wohnung hat vorher ein Junkie gewohnt und sie ist ziemlich renovierungsbedürftig, aber die alten Dielenböden, die Riesenküche und der offene Kamin versprechen einen lohnenswerten Einsatz.

Wenn man zum ersten Mal mit jemandem zusammenzieht hat man ja schon etwas Muffensausen, besonders wenn es in eine neue Stadt geht. Man unterschreibt zusammen den Vertrag, plant entsprechende Anschaffungen und verändert sein ganzes Leben. Man kennt nur einen einzigen Menschen in der ganzen Stadt, und mit dem muss man alles teilen. Man hat kein eigenes Bett mehr, kein eigenes Bad, keine eigene Küche und selbst sein Bücherregal muss man teilen. Aber teilen kann ja auch schön sein. Nur – ob man sich nicht nach zwei Monaten so dermaßen auf den Sack geht, dass man am liebsten wieder ausziehen würde, das weiss man vorher leider nicht. Aber ich bin guter Hoffnung.

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wohnungssuche

Freitag, Juli 31st, 2009 | Author:

Ich hasse Wohnungssuche. Es ist der Horror, denn es spiegelt meine völlige Unfähigkeit wieder, mich mit halbgaren Situationen abzufinden, deren Auskommen von massivem persönlichen Einsatz und absolutem Zufall abhängig ist. Ich träume in Straßenzügen und Grundrissen, und wenn ich morgens aufwache merke ich bereits, wie mein Hirn irgendwelche Nettokaltmieten vergleicht und mit der möglichen Qualität unbekannter Fußbodenbeläge abgleicht.

Was allerdings nett ist, ist sich eine vielversprechende Wohnung anzuschauen und einen guten Eindruck zu machen. Für den guten Eindruck ist vielerlei wichtig. Um das nette, ruhige, solvente junge Paar rauszukehren muss man sich zum Ersten natürlich nett anziehen: schick, solide und ein ganz klein wenig bieder… Aber letzten Endes sind es die Kleinigkeiten die den Eindruck ausmachen. Menschen neigen dazu, scheinbar irrelevante Details als Hinweise auf die Persönlichkeit zu nehmen. Studien belegen, dass geschminkte Frauen zum Beispiel eher als wohlhabend eingestuft werden als ungeschminkte Frauen und auch Schuhe extrem als Persönlichkeitsmerkmal angesehen werden. Aber wirklich überzeugen kann man nur mit Liebe zum Detail. Unseren Sinn für Recht und Ordnung kommunizieren wir indem wir immer mit einer ordentlich ausgedruckten Liste auftauchen, die alle Daten feinsäuberlich angibt. Um Solvenz zu signalisieren geht allerdings nichts über einen ordentlichen, stilvollen Kuli, der möglichst schwer und teuer aussieht. Eindruck schinden kann man auch, wenn man die Tatsache erwähnt dass man beim Fernsehen arbeitet und einen Doktortitel anstrebt.

Leider hilft das alles nichts wenn man nicht tatsächlich eine Wohnung findet die man haben will, und dann auch noch das Riesenschwein hat sie wirklich zu bekommen.

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Ferien auf dem Land

Donnerstag, Juli 16th, 2009 | Author:

Anlässlich meiner Ferien habe ich mal meine Verwandtschaft auf dem Lande besucht. Praktischerweise wohnen Schwester, Mutter, Stiefvater, Onkel, Tanten und Grosseltern alle im Umkreis von zwei Kilometern.

Die ländlichen Umstände tragen insbesondere deswegen zum Wohlbefinden bei, weil sie sich so hervorragend zur Leibesertüchtigung eignen: Vor dem Grossvater flüchten, der mein Gesichtspiercing gern mit einem Seitenschneider entfernen würde, eine Stunde zu Fuß in den nächsten Ort zum Geldautomaten oder mit dem Hightech-Mountainbike meiner Schwester mit 40 km/h über hügelige Waldwege brettern.

Abends vor dem Fernseher – den ich zu Hause nicht besitze – durfte ich dann feststellen, dass man statt mühseligem Krimilesen auch einfach CSI  o. Ä. gucken kann. Leider ist der Effekt nicht ganz so tiefschürfend wie bei Büchern, die Spannung nicht so ausgereift und nervenaufreibend und die romantischen Stellen etwas oberflächlicher. Dafür bekommt man einen Fall in einer Stunde durch und muss keine ganze Nacht durchlesen bis man endlich weiss wer der Bösewicht ist.

Ich beschwere mich ja nur ungern schriftlich, besonders öffentlich, aber falls ich meinen Magenbeschwerden bald tödlich erliege, sollten die Leser dieses Blogs wenigstens wissen, warum ich nichts mehr schreibe. Seit meinem Türkeiurlaub plagen mich fürchterlichste Beschwerden, die den Verzehr von süßen, scharfen, blähenden, milch- oder fetthaltigen sowie in irgendeiner Form reizenden Sachen unmöglich machen. Richtig, ich ernähre mich von Zwieback und gedünstetem Gemüse – ohne Pfeffer und Knoblauch. Schande. Die schlimmste Plage aber ist, dass mich unsäglich verlockende Vorstellungen von Pommes, Woppern, Himbeertorte, Pasta mit Knoblauch-Sahnesauce, thailändischem Gebratenen und Käseaufläufen in den Wahnsinn treiben. Das wurde noch dadurch verschlimmert, dass die Wohnung meiner Schwester von Rezepten, Kochbüchern, Weinführern und Gewürzlexika nur so überquillt. Wenn man nachts vor Bauchschmerzen nicht schlafen kann, bleibt einem nichts anderes übrig, als mundwässernde Rezepte zu stöbern um sich wieder in den Schlaf zu lullen.

Ich glaube das rechtfertigt einen Arztbesuch. Entweder die Magenschmerzen müssen weg oder mein monstermäßiger Appetit. Mein Stiefvater mutmaßte schon dass ich an einem Bandwurm litte. Offensichtlich ist der Bandwurm ein ausgewiesener Freund von Walnusseis und Schokocrossies und versucht mich mit allen Mitteln zu bezwingen. Ich weiss nicht, wie lange ich es noch aushalte…

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Engel und Reifen

Freitag, Juni 05th, 2009 | Author:

Ich habe ein Bewerbungsgespräch in God-City (ich habe mir überlegt dass ich einen herausragenden Namen für die Stadt brauche in der ich vielleicht bald wohne, damit ich den Verlust von Rock-City irgendwie verkrafte… wobei Rock-City ja gerade auf den Stadtschildern als “Designmetropole” ausgeschrieben wird…womit sie das wohl verdient hat?)

Falls ich tatsächlich nach God-City gehe (also gut, ‘falls’ und ‘tatsächlich’ sind bei einer 80 prozentigen Wahrscheinlichkeit etwas untertrieben…) haben Io und ich beschlossen, zusammen zu ziehen. Wir streiten jetzt schon darüber, wer was mitnehmen darf und wer sich was gefälligst abzugewöhnen hat – er die Teebeutel in der Spüle und Unordnung auf unschuldigen Ablageflächen, ich das Auflassen von Schranktüren und Unordnung auf unschuldigen Fußböden. Zum Glück sind unsere Geschmäcker sehr kompatibel, so dass ich nicht wie meine Schwester bei ihrem ersten Freund absurde Rennfahrerposter und Tische in Reifenform in Kauf nehmen muss. Es ist damals nur dem aussergewöhnlichen gestalterischen Talent meiner Schwester zu verdanken gewesen, dass ihr Hang zu kitschigen Engelsfiguren und Katzen in Kombination mit Rennautominiaturen und besagtem Tisch mit Reifen unter der Glasplatte bei Besuchern keinen Brechreiz ausgelöst hat. Die Beziehung hat dann auch irgendwann aufgrund unterschiedlicher Lebensvorstellungen und Werte den Geist aufgegeben und meine Schwester nun einen vernünftigen Freund mit Gitarren, was recht harmonisch mit Engeln und Katzen vereinbar ist.

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Müll

Mittwoch, April 15th, 2009 | Author:

Um bei uns den Müll hinunterzubringen muss man zwei Stockwerke hinunterlaufen, aus der Haustüre raus, ein Stück die Straße entlang, das Hoftor aufschliessen, und dann zum anderen Ende des Hofes gehen. Dies tut man meist beladen mit einem großen gelben Sack, zwei kleinen Restmüllsäcken, einem etwas größeren, stinkenden, triefenden und kontaminierten Biomüllsack und einer dicken Tüte Altpapier.

Dumm ist nur, wenn man wie ich den Schlüssel zum Hoftor vergisst… Glücklicherweise kam gerade eines von diesen gutbürgerlichen Pärchen die über uns wohnen herunter, um einen Kuchenplatten- und einen Vasenkarton zum Altpapier zu bringen. Unglücklicherweise hatten die ebenfalls ihren Schlüssel vergessen, so dass er nochmal hochlief und ich mit ihr unten stehenblieb. Sie zwei Kartönchen in der Hand, ausgehfertig, ich mit einem triefenden Müllberg in Schlabberklamotten.

Peinlich berührt standen wir schweigend da und ich überlegte, ob es wohl dieses Pärchen war, das zum großen Ärger unserer Stasi-Mülldurchsuch-Balkonbeobachter-Hausverwalter Milchtüten ins Altpapier warf. Aber das war wohl eher unwahrscheinlich, die Hausverwalter haben sowieso die islamische Familie von unten im Verdacht, die ihre Kinder fröhlich durch den Flur kreischen lassen, mit herrlichsten Kochdüsten den Flur verpesten und eh kein richtiges Deutsch können…

Schliesslich kam er wieder und schloss das Hoftor auf, und als ich im Müllraum ankam wurde ich durch folgendes Kunstwerk erheitert:

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Die liebe Verwandtschaft

Donnerstag, Februar 12th, 2009 | Author:

Wie heisst es so schön? Lieber Ratten im Keller als Verwandte im Haus… Meine quitschfidele Grossmutter, deren Fitnessgrad noch den meiner Mutter um Längen schlägt, feierte dieses Wochenend ihren 80sten Geburtstag – Verwandschaft hoch drei. Dies war zugleich die ideale Gelegenheit für mich, meiner australischen Freundin N., die jetzt ein halbes Jahr Austausch an meiner Uni macht, die deutsche Kultur ein wenig näher zu bringen. N. bescheinigte meiner Grossmutter, die fitteste und süßeste 80jährige im ganzen Universum zu sein und den Deutschen im Allgemeinen – auf der Basis grober Verallgemeinerung – einen herzlich-jovialen Humor. Damit wäre dieses Vorurteil doch schon mal erledigt.

Wenn man Verwandte trifft, muss man immer auch darauf vorbereitet sein allen zu erklären wie toll es in Australien ist, wie fleissig man gerade studiert, was man sonst alles Tolles macht, was der Freund denn Tolles macht und was man später mal werden möchte. Meine Grosstanten bescheinigten meinem Freund eine italienische Ausstrahlung und mir jeweils einen Geldschein, und mein Grossonkel fragte mich, was man mit meinem Studium denn machen könne, woraufhin er sich voll deutsch-jovialen Humors selbst die Antwort gab, dass man damit wohl zum Arbeitsamt gehen könne. Das ist besonders witzig weil er selbst Karriere beim Arbeitsamt gemacht hat. Meine Grosstante, die selbst Grundschullehrerin war, vermutete freundlich, dass ich ja bestimmt immer noch Lehrerin werden könne.

Irgendwann erzählte ich nur noch, dass ich Intendantin vom WDR werde oder mein eigenes Marketing-Unternehmen gründe. Ich fand das klingt angemessen grossspurig, nachdem meine Vorschläge Tättowiererin oder Busfahrerin zu werden seltsame Blicke geerntet hatten. Dass ich insgeheim an einer Sänger- und Schauspielerkarriere arbeite muss ja keiner wissen.

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Hasse kalt, Kind?

Montag, Februar 02nd, 2009 | Author:

“Ich hab kalt. Bei uns ist grade zwölf Grad.” sach ich. “Was? Das ist doch lecker warm!” sagt die andere, “da beschwerst du dich? Bei uns isses drei Grad!” Sach ich: “Ja, bei uns draußen auch. Ich sprech von der Raumtemperatur in meinem Zimmer.”

Vor über einem halben Jahr wurde in unserer schnuckeligen kleinen Wohnung ein hypermoderner Temperaturregler für unsere hyperunmoderne Gasheizung installiert.  Beide tuen ihren Dienst gemäß ihrer Veranlagung, wenn man sie lässt. Wenn man jedoch einen kleinen Schalter drückt,  ist die Heizung komplett aus. Meine Mitbewohnerin  ist ein temperaturresistenter Kaltblüter, was ich ihr verzeihe, und spart gerne Energiekosten, was ich grossartig finde. Statt jedoch den Temperaturregler zu bedienen, der sogar eine Ferienfunktion hat, falls man mal für ein paar Tage weg ist, und jeden Tag drei verschiedene Zeitphasen zulässt, wobei jeder Wochentag einzeln programmierbar ist, die auf Knopfdruck aber auch übersprungen oder bis zur nächsten Phase manuell einstellbar sind, der eine Frostschutzssicherung bei 5 Grad eingebaut hat und eine Eco-Funktion  die eine selbstprogrammierbare energiesparende Minimaltemperatur von beispielsweise 16.5 Grad hält, statt also diesen Temperaturregler zu bedienen legt sie den Schalter um und schaltet die Heizung aus. Bumm.

Das ist der Grund warum es bei uns in der Wohnung 12 Grad ist wenn man zwei Tage nicht da war und warum es, selbst wenn man da ist, morgens ungefähr 15 Grad sind.  Die Heizung braucht ungefähr zwei Stunden durchgängiges Heizen um das ganze System wieder auf Betriebstemperatur zu bringen, ganz zu schweigen von den ausgekühlten Böden und Wänden.

Theoretiker der vergangenen Jahrhunderte (war es Rousseau oder John Locke? Meine Güte, ich hab das doch studiert!) waren der Überzeugung, dass es die Kälte ist, die den rationalen Charakter der nordwestlichen Kulturen geprägt hat. Dadurch dass das Blut nicht so in Wallung kommt  ist man wohl nicht so reizempfindlich und  das Hirn arbeitet besser, so die Theorie. Vielleicht kann ich ja so die schwierige Entscheidung über meinen Ende des Jahres anstehenden Masterstudiengang trefflicher und rational fundierter treffen, wo meine Sinne ja quasi eingefroren sind… Ich muss euch in diesem Zusammenhang etwas Trauriges mitteilen: Kaum bin ich in Rock-City angekommen, alle Heimatliebe hat mir nichts genutzt, denn ich musste nach und nach widerstrebend und gewaltsam einsehen, dass ich für meinen Master nicht hierbleiben kann. Ich muss wieder weg. Wohin weiss ich noch nicht, wie weit weiss ich noch nicht und wozu weiss ich auch noch nicht…

Das Schlimmste daran ist: Ich bin ein Planer, am liebsten würde ich jetzt schon den Möbelwagen bestellen und “ODDA” wieder abbauen, meine ganzen Sachen gar nicht erst auspacken… eine Sorge weniger, aber was hätte mir Australien gebracht wenn nicht die Entspanntheit in den Tag hineinzuleben, wie es auch mein Freund macht, der auch nach anderthalb Wochen immer noch geduldig darauf wartet dass sich irgendjemand darum besorgt dass er wieder warmes Wasser bekommt? Ich entspanne mich also. Man sagt ja auch immer dass man die Muskeln entspannen soll, damit dass Blut besser fliesst, sich nicht gegen die Kälte verkrampfen. Hmmmpft! :-)

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