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Notizen und Beobachtungen 04

Donnerstag, September 11th, 2008 | Author:

Ich glaube Chai Latte wird mein neues Lieblingsgetränk. Es ist extrem stresslindernd und nur mässig sündhaft. Es handelt sich um Gewürztee mit aufgeschäumter Milch. Hört sich komisch an, schmeckt als wäre es gerade heiss aus den zimtenen Nippeln der Himalayagöttin geflossen. Chai Latte kriegt man hier wirklich überall, aber den Besten den ich bisher getrunken habe gibt es auf dem Campus. Im Moment laufe ich mindestens ein- bis zweimal am Tag zur Cafeteria.

Die Australier sind manchmal so entspannt, dass es intim wird. Wie soll man es zum Beispiel verstehen wenn einem ein Verkäufer zum Abschied zwinkernd wünscht: “Have a good one!”? Oder wenn eine gleichaltrige Verkäuferin einem im Gemüseladen zuflötet: “A lovely night to you, darling!” Das ist auf jeden Fall eines von den Dingen die ich vermissen werde wenn ich wieder in der Servicewüste Deutschland bin.

Ricarda (die mit der ich nichts zu tun haben wollte und die gerade zu meiner besten Freundin hier wird… :-) ) und ich fliegen in der Spring Break nach Darwin, der nördlichsten Stadt Australiens im Northern Territory. Dort gibt es auch die ganzen Krokodilfarmen und Crocodil Dundees. Wir werden Wasserfälle sehen und den Regenwald, Krokodile und uralte Aborigini-Kunstwerke. Ach ja, in Darwin ist es ausserdem gerade dreissig Grad und es gibt traumhafte Sandstrände dort.

Kostenmäßig ist es leider der Entfernung angemessen, nämlich so als würde man nach Tunesien fliegen. Zeitmäßig ist ein Job gerade so gut wie unmöglich, aber im November habe ich einen Monat komplett frei bevor mein Freund kommt, und ich überlege in der Zeit einfach Vollzeit irgendwo zu arbeiten.

Apropos Freund. Zwar hält sich das Heimweh in Grenzen, aber wenn Helen und Moe kichernd mit Tellern voller Kuchen mit Erdbeeren und Schlagsahne auf ihr Zimmer verschwinden oder sich morgens gegenseitig mit Spiegelei füttern oder sich darueber streiten wer dran ist mit diesem oder jenem wird mir doch schon ein bisschen weh ums Herz. Gerade kommt mir mein Teddybär einfach ein bisschen klein vor.

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home sweet home

Donnerstag, September 04th, 2008 | Author:

I’m sorry, guys.

Ich befinde mich gerade sozusagen in ungluecklichen Umstaenden. Damit ist nicht konkret das Internetcafe gemeint in dem ich sitze, sondern eher die Dinge die dazu gefuehrt haben dass ich hier sitze und mein trautes Heim fliehe.

Unser Internet hat vor ein paar Tagen ganz spontan den Geist aufgegeben. Es hat drei Tage gedauert um eine Hauskonferenz einzuberufen und einen neuen Anschluss zu bestellen. Der Sachbearbeiter machte uns Hoffnung dass statt in 10-20 Tagen wir wahrscheinlich in 2-7 Tagen im Netz sind, diesmal mit ungefaehr zwanzigfacher Geschwindigkeit dessen, was wir bisher hatten. Das heisst ihr bekommt bald vielleicht mal ein paar Bilder zu sehen!

Vielleicht auch das Bild was ich gerade eben aus meiner Zimmertuer geknipst habe. Direkt vor meiner Tuer steht naemlich eine Leiter. Darauf steht ein polnischer Maler. Sein Akzent macht mir immer ein bisschen Heimweh. Sie haben das ganze Haus besetzt und wohnen jetzt quasi eine Woche hier. Gerade werden die Kueche, das Bad, das Wohnzimmer und der Flur gestrichen. Ich habe es geschafft meine Zaehne zu putzen und aus der Obstschale im Wohnzimmer eine Banane von Helen & Moe zu klauen. Mein Vorratsschrank wird naemlich durch den Kuehlschrank blockiert, der mit einer Plane ueberdeckt ist und von einem Handwerker bewacht wird. Morgen wird mein Zimmer gestrichen. Das trifft sich gut weil ich morgen frueh sowieso ein Marketing-Exam habe. Wofuer ich lernen muesste, was ein bisschen schwierig ist, weil ich so schwer an die Internetressourcen rankomme.

Hab ich erwaehnt dass ich krank bin? So ne richtig boese Erkaeltung. Tja, irgendwie ungluecklich dass es gerade einen Wetterumschwung gegeben hat und es wieder kuehl und windig ist, dass gerade ueberall die Fenster den ganzen Tag aufstehen wegen der Farbe, das Wohnzimmer bis unter die Decke voll mit Krempel steht und das Fenster in meinem Zimmer nicht richtig schliesst, was ueberhaupt der Grund war warum ich krank geworden bin. Der Teekocher dient gerade als Farbeimer und irgendjemand raucht in diesem Internetcafe.

Die Umstaende sind so ungluecklich, dass ich es lustig finde und mir gleich von Geld dass ich nicht habe irgendwo ein nettes, warmes Mittagessen mit Tee leiste. Danach werd ich mich ins Bett legen und mich in meine Abdeckplane kuscheln, und mit ein bisschen Glueck habe ich heute abend ein huebsches neues Badezimmer!

Die naechsten Eintraege sind eigentlich die vorhergehenden Eintraege und werden ‘Tangoqueen’ und ‘Sirenengesang’ heissen. Ich habe sie schon geschrieben, aber leider sind sie nur auf meinem Computer, und der hat kein Internet. Also dauert es noch ein bisschen. Die Titel sind diesmal nicht uebertrieben!

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Hangüber

Sonntag, August 24th, 2008 | Author:

Entschuldigt meine Unfähigkeit diesen Artikel angemessen auf 500 Wörter zusammenzufassen. Es handelt sich nämlich um literarische Bulimie, und wer beschäftigt sich schon gerne mit Dingen, die er ausgekotzt hat?

Es gibt Gründe, warum ich nicht oft bis spät in die Nacht auf Parties gehe. Einer davon ist, dass ich, selbst wenn ich um fünf Uhr schlafen gehe, um halb elf kerzengrade im Bett stehe. Deswegen schreibe ich auch gerade anstatt zu schlafen, wie es sich gehört wenn man eine wilde Nacht hinter sich hat. Entschuldigt daher, wenn ich mich heute stilmäßig ein bisschen an die Mythenmetzs’che Abschweifung anlehne. Wer nicht weiss was das ist: Geht in die Buchhandlung und kauft alle Buecher von Walter Moers. Banausen.

Nicole und ich wollten tanzen gehen. Ich hatte die ganze Woche ein bisschen knödelige Laune gehabt, zu Hause gesessen, Schokolade gegessen, keine Lust auf nichts, speziell nicht auf doofe Austauschstudentenunternehmungen, Muskelkater, meinen liebsten, besten Freund angeknödelt und so weiter. Ich wusste nicht genau, wie ich diesem Zustand abhelfen könnte. Moe und Helen, beide mit Philosophie, Geschichte und Klimapolitik vertraut, hatten grundsätzlich nichts gegen meinen melancholischen Zustand einzuwenden, merkten jedoch, dass ich selbst etwas dagegen einzuwenden hatte und fragten, was ich denn zu tun gedenke. Ich sagte dass ich wohl in mein Zimmer gehen müsste und ein wenig deutsche melancholische Musik hören. Hierbei handelt es sich um eine therapeutische Maßnahme, denn das Hören melancholische Musik schüttet Wohlfühlhormone aus, weswegen Wiegenlieder auch oft ein wenig traurig klingen.

Helen sagte: “My English-teacher, a funny lady by the way, told us that the Germans have a very long history of thinking very deeply about things and getting depressed.” Ich fand das ermutigend, insofern als dass ich mich nicht schämen müsste mich in die Tradition von Schopenhauer, Goethe und Nietzsche einzureihen (um nur die ersten Namen zu nennen die mir in den Sinn kommen), aber auch deswegen, weil es mich daran erinnerte, dass ich trotz aller Bewunderung eher nicht wie Nietzsche enden möchte.
Gestern also wollten Nicole und ich tanzen gehen, meine Beweggruende waren vornehmlich therapeutischer Natur: Kopfwegblasen. Boese Beats. Wir einigten uns auf alternativen Elektro und Breakbeats, doch der Eventkalender gab kaum etwas her. Dann sah ich folgende Bandnamen: Horrorwood Mannequins, Pink Industrial Whores, Killjack… Recherchen ergaben dass es sich um ziemlich schredderigen, boesen Industrial-Metal handelte. Mein Herz jubelte, auch wenn ich Nicole leider im Stich lassen musste. Vielleicht koennte ich endlich mal ein paar normale Leute treffen, mir schwarzem Humor, kreativer Kleidung und grenzwertigem Musikgeschmack! In jedem Falle aber koennte ich meine abgefuckte Laune mit noch abgefuckterer Musik bekämpfen, mich von extremen Klangwelten auf den Boden der Tatsachen zurückholen lassen um dann in innerem Frieden nach Hause zu gehen.

Es war in der Tat toll, selbst wenn die Leute ein wenig underdressed waren, was wohl dem freien Eintritt und der eher metalligen Natur des Konzerts zuzuschreiben war. Die erste Band war schon äusserst beeindruckend, was weniger an der Qualität der Musik lag als an der Tatsache, dass die Frontdame wie der bärwüchsige Frontmann einer skandinavischen Blackmetalband klang. Ich habe viele Metalkonzerte gesehen, aber das hier war mehr als abgefahren! Ich besitze Beweisvideos. Die Frontdame war sogar eher noch ein Frontmädchen und gerade eben der Pubertät entwachsen, mit langen blonden Haaren, ein bisschen Babyspeck und unglaublich nett als ich mich später mit ihr unterhielt.

Man bewunderte allseits mein gutes Englisch, mehrmals wurde vermutet ich käme aus dem UK, und man bombardierte mich mit deutschen Bruchsätzen. Deutschland ist hier ‘arty’, jeder kennt Berlin und die Kunstszene die es zu allen möglichen Zeiten hervorgebracht hat. Die Australier lernen oft Deutsch in der Schule, was ich bewundernswert finde. Warum sollte man eine Sprache von einem Land lernen, dessen Größe jeden Nationalpark unterbietet, das über sechszehntausend Kilometer entfernt ist, eine horrende Geschichte hat die unverhältnismäßig viele Australische Soldaten das Leben gekostet hat, eine depressiv-romantische Denkertradition verfolgt und die Hälfte des Jahres ungemuetlich und unattraktiv ist, ganz zu schweigen davon, dass zahllose andere Länder mit diesen und besseren Eigenschaften drumherum liegen? Das zeugt von Engagement, finde ich.

Zu späterer Stunde an besagtem Abend, gestern also, freundete ich mich mit einer der Bands an. Die Leute sahen aus, als wären sie äusserst cool, man bot mir an mit nach Potts Point (was eigentlich Kings Cross ist…wer den Blog gelesen hat weiss Bescheid) zur Aftershowparty zu kommen. Auf dem Weg fragte mich mein Begleiter ob ich irgendwelche Drogen tue. Ja, so sagt man das hier. Ich finde das klingt schmissig. Ich erklärte völlig übertriebenerweise (und aus strategischen Gruenden) dass ich mit sechzehn so einiges Zeug getan habe, und einige Leute daran habe kaputtgehen sehen, was nicht übertrieben ist. Er und die anderen könnten sich gerne derartig amüsieren, ich allerdings bliebe beim Bier. Meine natuerliche Arroganz und ausreichende theoretische Drogenkenntnisse um nicht enttarnt zu werden ermoeglichten mir, selbiges in solcher Art hervorzubringen, das sich mein Gegenüber sogar ein wenig schämen musste.

Eine halbe Stunde sah ich zu wie sich ein paar sowohl materiell als auch geistig arme Möchtegern-Rockstars mehrere Lines Speed reinzogen und eine Bong kreisen ließen, die so dreckig war, dass es jeden Kiffer mit einem Hauch von Ehrgefuehl in Bestuerzung getrieben hätte…obwohl ich mir vorstellen kann dass es sich hierbei um eine strategische Maßnahme handelte, die es den angehenden Weltstars ermöglichte, irgendwann noch den Schmand zu rauchen. Kurze Abschweifung: Liebe Ma, Schmand ist das, was sich in einer Wasserpfeife an den Wänden absetzt. Die Farbschattierungen rangieren von Popelgelb über Giftgruen bis hin zu tiefem Braunschwarz. Inhaltsstoffe unbestimmt.

Nachdem sich die anderen zwei Mädchen, die wohl dort wohnten, anfingen auszuziehen und den Fernseher (auf dem Friends lief, nur so nebenbei bemerkt) als Lustobjekt zu missbrauchen, musste ich einsehen dass ich hier weder Spaß haben noch meine unbeteiligte Beobachterposition lange würde unbehelligt halten können. Ich erhielt mir einen kleinen Anschein Coolness indem ich vorgab in zwei Stunden arbeiten gehen zu müssen und fuhr nach Hause in der guten Hoffnung irgendwann die etwas kulturorientiertere intellektuelle schwarze Szene zu finden.

Jetzt habe ich einen kleinen Hangüber. Das ist dieses Gefühl, wenn feststellt, dass sich der Zustand während des Abends und der am nächsten Morgen auf unbestimmte Weise disparat zueinander verhalten. Man spult den Abend zu zurück und kontrolliert ihn auf mögliche Lecks und dämliche Dinge die man gesagt haben könnte und die man morgens möglicherweise nicht sagen würde. Ich bin gutgelaunt, angesichts der Dämlichkeiten, derer ich Zeuge wurde, und die ich beim besten Willen nicht überbieten kann. Außerdem fuehle ich mich sehr geerdet und berechtigt, eine Menge dampfende Pasta zum Fruehstueck zu essen.

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Kultur, mit Schock.

Sonntag, August 24th, 2008 | Author:

Es gibt Dinge, die Australien unnachahmlich liebenswert machen. Dazu gehoert, dass staendig und ueberall Troedelmarkt ist. Jeder Stadtteil, der was auf sich hält, hat einen eigenen Markt. Selbst Klein – Surry Hills, wo ich wohne, hat einen. Das Großartigste ist allerdings, dass auch Pubs sich berufen fuehlen an Samstagen strange Klamotten, Schmuck, Schuhe, alte Schallplatten und Tarotkartenleserinnen anzubieten. So kann man dann mit einem kuehlen Bier in der Hand und die hereinscheinende Nachmittagsssonne genießend durch alte Klamotten wuehlen. Und das, liebe Leser, ist, selbst wenn man das Bier weglässt, wunderbar.

Eine ähnliches Ding ist das mit den Cafe-Bookshops. Ich wundere mich seit Jahren schon, warum es in Deutschland so wenig alternative Kaffee-Konzepte gibt. Mit sechzehn habe ich Bilder und Pläne von einem Klamottenladen mit Cafe gezeichnet, und mich später gewundert dass ich nie etwas Ähnliches gesehen habe. Hier gibt es an jeder Ecke Buchladen-Cafes. Das Konzept ist einfach, es handelt sich um schicke bis ranzige kleine Buchhandlungen, die alle bis unter die Decke vollgestopft sind mit neuen, alten, wundervollen und seltsamen Buechern. Dazwischen stehen Tische und Stühle, Sessel und bisweilen Chaiselonguen (?) in allen moeglichen Formen und Größen, und je nach Schick bekommt man Tee, Kaffee, Muffins, Sandwiches oder gar ganze Menues serviert. Ist fuer das leibliche Wohl gesorgt und hat man sich zwischen Geschichte, Selbsthilfe,  Schmonzette, Gartenbau oder Politik entschieden, kann man sich irgendwo hinluemmeln und kleckernd und kruemelnd durch Buchseiten träumen. Dabei ist voellig egal ob man das Buch hinterher kauft oder nicht – eine Vorstellung die jedem anständigen deutschen Geschäftsmann den Angstschweiss auf die Stirn treiben würde, weswegen es sowas bei uns auch nicht wirklich gibt. Schade, eigentlich.

Dieses Wochenende hatte ich meinen ersten, richtigen Kulturschock! Nein, darauf war ich wirklich nicht vorbereitet. Das Haus war im Kino. Mit Haus meine ich unser Haus, also die Bewohner desselbigen, um genau zu sein. Mein Wochenbudget war schon arg ueberstrapaziert, aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen meinen ersten Film in Australien – statt in karger Sneak-Preview Manier – mit ein wenig Luxus zu bereichern und die paar Dollar fünfzig für Popcorn herauszuhauen. Als ich mir In freudiger Erwartung buttersüßer Geschmacksexplosionen die erste Handvoll in den Mund stopfte, kruemmten sich meine Geschmacksnerven konvulsivisch zusammen und meldeten meinem Gehirn ein blinkendes ERROR! ERROR! Um mich herum taten alle so als wäre nichts. Sie mampften ihr Popcorn und fanden es nicht weiter schlimm, dass jemand Salz auf selbiges  gestreut hatte! Man bedauerte schmunzelnd meine enttäuschte Miene und versicherte mir, dass salziges Popcorn sowieso besser sei. Oh, dass ich allerdings doch ein arg Salziges erwischt hätte. Nach einem heimlich vergossenen Tränchen (entschuldigt, wenn es um Essen geht werde ich sehr emotional) habe ich mich dann doch an den Geschmack gewöhnt und sogar ein wenig Gefallen daran gefunden…

Es lief “You, the Living”, ein schwedischer Film, der netterweise in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt wurde. Der Film war lahm und verwirrend und das Ende seltsam, aber trotzdem ein kleines Meisterwerk, grossartig! Ein typischer Arte Film. Die Bilder bleiben eine Ewigkeit bewegungslos stehen – meint man, bis einem ploetzlich auffällt, dass gerade etwas voellig Absurdes auf der Leinwand geschieht, ein kleines Detail, das man tatsächlich sekundenlang übersehen konnte. Fuer Liebhaber skandinavischer Filmkunst ein absolutes Muss!

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Dies und Das

Dienstag, August 19th, 2008 | Author:

Aus irgendeinem Grund muss man Tee in Australien nur eine halbe Minute ziehen lassen… ich habe keinen blassen Schimmer warum, aber ich finde es toll. Wenn ich zurueck komme bringe ich einen Jahresvorrat an Tee mit.

Heute war meine erste Capoeira Stunde. Ich hatte noch Muskelkater vom Joggen am Wochenende, jetzt kann ich wahrscheinlich drei Tage nicht laufen. Was Koordination angeht bin ich fuerchterlich, was wahrscheinlich daran liegt dass ich zuviel denke. Um mit Keulen jonglieren zu lernen habe ich zum Beispiel 7 Wochen gebraucht, und das obwohl ich schon mit Baellen jonglieren konnte. Auf der anderen Seite ist es eine viel größere Herausforderung, etwas zu lernen was man nicht kann, als etwas, wozu man ein natuerliches Talent hat. Es erscheint mir immer noch wie ein Wunder dass die Keulen nicht einfach so herunterfallen!

Um die interaktiven Funktionen dieses Blogs mal zu nutzen hier ein bisschen Zeugs:

Nur mal so, um ein paar Leute neidisch zu machen: http://sydney.gothic.org.au/viewthread.php?tid=8290 (Wer Swing, Rockabilly, Burlesque und so’n Kram doof findet darf diesen Link getrost ignorieren)

Ich hab uebrigens den Anti-Australien Werbespot gefunden:

The Gruen Transfer New Zealand Payback

Und hier noch eine grossartige Werbung fuer australische Schokolade…

Cadbury

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Recycling

Montag, August 18th, 2008 | Author:

Neulich kam Helen zu mir und klärte mich darueber auf, dass man Plastikverpackungen nicht recyceln kann.

Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Trotzdem, Australien ist ein wunderbares Land. Manchmal, wenn man die Straße entlang geht, stehen ueberall am Bordstein Kisten mit Glasflaschen und Glaesern drin. Man stellt es vor die Tuer und jemand holt es ab. Ist das nicht wunderbar? Zu Hause haben Terese und ich eine Art Hoehle unter unserer Kuechenbank. Dort lagern wir das Altglas, bis es ueberquillt und die Speisereste in den Glaesern Lebensformen ausgebildet haben, die selbstaendig zum Altglascontainer laufen koennen.

Was auch noch toll an Australien ist, ist dass es in Restaurants und in Clubs Wasser umsonst gibt. Zum Essen bekommt man eigentlich immer eine Flasche stilles Wasser dazugestellt, und in Clubs stehen große Kannen mit Bechern daneben. Wenn man mal so darueber nachdenkt, ist es eigentlich ziemlich asozial dass man in Deutschland, wo Wasser ja eindeutig weniger ein Problem ist, fuer die Befriedigung dieses Grundbeduerfnisses bezahlen muss. Doch vielleicht hat der Ausschank von Wasser seine kulturellen Wurzeln gerade in der Öde dieses Landes. In den Anfaengen westlicher Besetzung war jeder Wirt hier wohl froh, wenn ein Reisender nicht im Outback mit dem Geschmack seinen eigenen Urins im Mund verreckt war sondern es tatsächlich in einen Pub schaffte, wo Wasser wohl das Mindeste neben einem Hallo war.

Die Geschichte und die Beschaffenheit Australiens haben mit Sicherheit maßgeblich zu der kameradschaftlichen und freundlichen Haltung dieser Menschen (die ganzen Mörder und Vergewaltiger mal ausgenommen) beigetragen. Dies kann jedoch teilweise so ausgepraegte Formen annehmen, dass es einen aus dem Konzept bringt. Wenn man zum Beispiel einen Laden betritt, wird man von einem wildfremden Menschen, mit dem man nicht mal vorhat zu reden, augenblicklich gefragt, wie es einem geht. Am besten antwortet man darauf einfach “Fine, thanks”, eine Floskel, die man immer parat haben sollte. Das bereitet einen allerdings nicht auf etwaige Folgefragen vor, wie denn der Tag bisher war oder Ähnliches. Ich sage mittlerweile einfach nur noch freundlich “Thanks!” Da kann man einfach nichts gegen sagen und es passt eigentlich immer, ob man nun Ja, Nein, Hallo das ist aber nett oder Piss off sagen will.

Ich muss uebrigens die Leute, die mit meiner baldige Verfettung gerechnet haben, enttaeuschen. Ich ernaehre mich gesuender denn je, hauptsächlich von frischem Obst, Gemuese und Meeresgetier. Aus irgendeinem Grund ueberkomme ich nach und nach all meine Nahrungsabneigungen. Gestern erst habe ich mir frische Pilze gekauft! Das einzige was meinen Speiseplan ein wenig gefaehrdet ist der australische Rotwein so wie Himbeermuffins mit weisser Schokolade. Zusaetzlich neigen Helen und Moe zu Kochorgien bei denen das Dessert eine tragende Rolle spielt. Im Großen und Ganzen habe ich aber Hoffnung.

Immerhin habe ich eine Fitnesswette gegen meinen daheimgebliebenen Freund zu gewinnen: Wer verliert bezahlt ein Schlemmerwochenende auf der Burg Sayn. Das heisst ich muss ernsthaft anfangen, Sport zu treiben. Aber nicht nur deswegen, sondern auch, weil meinen besten Kumpel Peter und mich eine harte Feuershowsaison erwartet. Und natuerlich weil Sport gluecklich und gesund macht. Fast so gluecklich und gesund wie Himbeermuffins.

Ich sitze uebrigens nur hier und schreibe, weil ich nicht zugucken will wie Deutschlands weibliche Kicker 1:4 gegen Brasilien verlieren. Gute Nacht aus Australien.

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Party Blonde

Montag, August 18th, 2008 | Author:

Es ist Freitag. Meine Mitbewohnerin Nicole geht mit ihrer Freundin Laura, die zu Besuch ist, tanzen, Kath geht mit. Nicoles Freundinnen sind sehr blond, auf dem Weg kommen wir an ein paar Gruftis vorbei und ich ueberlege kurz ob ich vielleicht die Fronten wechseln sollte. Aber das waere unhoeflich, ausserdem hat Nicole den Haustuerschluessel. Der Club in den wir gehen ist erstaunlich alternativ, etwas rotzig und sehr charmant.

Man stellt mir Lucy vor. Lucy ist noch blonder als alle ihre Freundinnen, traegt 32 Zaehne allein in der oberen Reihe und kreischt mich lachend und meine Haende haltend an: “Hi, it is so nice to meet you!” Zusaetzlich Kuesschen rechts links rechts. In meinen zwei vergangenen Studienjahren habe ich mich als grundsaetzlich soziophobes Wesen an so Einiges gewoehnt, aber das hier ist so absurd dass ich lachen muss. Ein paar Minuten spaeter sind ein paar der Maedels verschwunden. Nicole ueberbruellt die Musik: “They’re having some Coke in the bathroom.” Nach einigen Sekundenbruchteilen vergeblichen Zusammensetzens der Assoziationsgebiete Softdrinks und Sanitaeranlagen faellt auch bei mir der Groschen.

Wir gehen in den Club nebenanm weil zu wenig los ist. Nicole ist zwar blond und quietscht beim Reden, aber sie findet die Musik zu der die anderen tanzen genau so langweilig wie ich, und wir verbringen die halbe Nacht in einem anderen Raum, wo Swing und Jazz laeuft. Wodka Himbeer ist zwar teuer aber immer noch wesentlich preiswerter und tausendmal geschmackvoller als schleimhautaetzende Heulhosen-Drogen. Wir gehen allein nach Hause, Nicole klaert mich darueber auf dass Laura nie mit zurueck kommt: “She usually picks up some bloke.”

Ich stelle mir vor wie morgens um 6 hustende und zugekokste blonde Zombies mit High-Heels und vollgekotzten Miniroecken torkelnd durch Sydney streunen…

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So viel Blut ueberall…

Donnerstag, August 14th, 2008 | Author:

Entschuldigt die marktschreierischen Titel, mein Assoziationsvermoegen geht einfach mit mir durch. Ausserdem muss ich zugeben dass ich Boulevardtitel ernsthaft bewundere. Mein Favorit ist “UFOSEKTE KLONT HITLER”! Mehr Signalwoerter kann man wohl kaum in einem Titel unterbringen.

Zurueck zu diesem Titel: Seit einer Woche steht auf dem Campus ein riesiger weisser Van mit elegant geschwungenen Blutspritzern drauf. Es ist ein Blutmobil. Ich kam gerade von einem ausgiebigen Thailunch und dachte ich koennte mal – man soll ja gelegentlich neue Dinge tun, egal wie sinnlos sie auf den ersten Blick erscheinen- Blut spenden. Vielleicht macht das Rote Kreuz das Gleiche an deutschen Unis, jedenfalls handelt es sich hier um echte Blutfaengerei: gelangweilte Studenten mit Sozialisierungsbeduerfnis und sozialen Anwandlungen werden abgegriffen und in Massenabfertigung ausgesaugt. Das funktioniert so gut, dass man ueber eine Stunde warten muss, bis man drankommt. Als es langsam dunkel und kalt wurde (passiert hier sehr schnell und sehr oft und sehr frueh) habe ich es aufgegeben, und laufe jetzt seit Tagen mit den Blutspendepapieren in der Tasche rum, in der Hoffnung, irgendwann doch mein Blut fuer dieses trockene Land geben zu duerfen.

 

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Asiatische Pornokameras

Mittwoch, August 13th, 2008 | Author:

Sorry fuer die Blenderei, der Titel ist bloss eine kreative Mischung der Themen um die es geht, keine eigentliche Inhaltsangabe.

Warum gute Parties so oft Katertage nach sich ziehen muessen ist mir unklar. Na gut, das war gelogen. Wir waren am Wochenende auf zwei verschiedenen Parties, die beide ziemlich cool waren. Menschen trugen lustige Kleidung, es gab Sangria und auf einer Leinwand liefen Pornos. Ich weiss nicht warum, aber Pornos auf Parties tragen wunderbar zu surrealer Stimmung bei. Vor ein paar Jahren war ich mal auf einer Party wo ueberall im ganzen Haus verteilt Fernseher hingen auf denen Renaissance-Pornos liefen… sprich Menschen in opulenten Kostuemen jagten sich kichernd durch Schlossgaenge, krabbelten sich gegenseitig unter die Reifroecke und peitschten sich mit Vorhangkordeln. *raeusper*

Katertage haben allerdings durchaus positive Seiten: Man hat eine gute Entschuldigung den ganzen Tag rumzugammeln und nahrhaftes Zeug zu essen. Zum Beispiel Pasta mit Spinat (called baby-spinach here, i love this word!), Knoblauch und Scampis… Und wenn die ganze WG (plus die Leute die ihre eigene WG nicht gefunden haben) einen Kater hat kann man den ganzen Nachmittag zusammen Jasmintee trinken und Scrabble spielen, wobei Letzteres in einer fremden Sprache eine ziemliche Herausforderung sein kann! 

Was Uni angeht musste ich allerdings feststellen, dass ich doch Einiges zu lesen habe. Der Filmkurs wird sehr interessant, besonders weil meine Idee umgesetzt wird! Vielleicht kann ich das Script in den naechsten Tagen mal hier veroeffentlichen. In meiner Filmgruppe ist eine blonde Amerikanerin mit pinken Fuss- und Fingernaegeln und eine sehr unschuldige kleine Asiatin. Als erstes habe ich ueberlegt ob ich nicht doch lieber mit ‘cooleren’ Leuten an einem anderen Projekt arbeiten soll, aber mittlerweile bin ich ueberzeugt dass 1) die Maedels doch ziemlich nett sind und man gut mit ihnen argumentieren kann, und 2) meine Idee die ist, die sich am einfachsten, kohaerentesten und effektvollsten umsetzen laesst, worauf ich ein bisschen stolz bin. Im Gegensatz zu den sonstigen Resourcen die uns zur Verfuegung stehen sind die Kameras extremer Pipifax, wofuer sich unsere Tutorin ausgiebig entschuldigte. Das war auch noetig, denn solche Kameras haette ich mir nicht mal selbst gekauft. Man kann weder die Blende verstellen noch sonst irgendetwas.

Es ist meiner Meinung nach ziemlich seltsam Leute auf modernsten Macs mit der neuesten Version von FinalCut Pro arbeiten zu lassen und dann winzige, idiotensichere Hobbykameras zu benutzen. Obwohl es moeglicherweise seine Berechtigung hat, wenn man sich folgende Szene vorstellt: Zwei MAEDCHEN versuchen mit insgesamt vier Haenden minutenlang bei offener Blende und laufender Kamera selbige auf einem schiefen, wackligen Stativ zu befestigen, wobei jede denkt dass sie es gleich hat. Meine Befuerchtungen, ich koennte den Anspruechen des Kurses nicht gerecht werden, verfluechtigen sich zunehmend.

Die ganzen Asiaten sind mir immer noch ziemlich fremd. In meiner Marketing-Arbeitsgruppe ist ein Schwede und zwei Asiatinnen. Auf dem ganzen Campus sind schaetzungsweise 70 % der Leute Asiaten, und an der Art wie sie mit einem reden merkt man doch, dass da Kulturen aufeinander prallen. Die Art wie die Olympischen Spiele in Beijing in den Medien kommentiert werden zeigt auch ziemlich deutlich, wie nah Australien im Gegensatz zu Europa an China dran ist. Fuer die Australier sind die Menschenrechtsverletzungen dort ein immenses Thema, insbesondere weil Australien durch die ganzen Migrantenstroeme und Handelsbeziehungen eng an China gebunden ist. Das bedeutet aber auch dass Australien einen viel groesseren Einfluss auf China hat, so dass man hier trotz der extremen Deutlichkeit der Situation aber auch eher Handlungsmoeglichkeiten sieht.

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Drei Wochen Sydney

Samstag, August 09th, 2008 | Author:

  • Nach drei Wochen kann ich nun den australischen Akzent erkennen. Ein mancher mag denken: Was, erst nach drei Wochen? Doch es sollte gesagt sein, dass in Australien sehr, sehr viele Menschen leben, die komisch sprechen, und alle sprechen anders komisch.
  • Nach drei Wochen in Australien ist nun sonnenklar: In keinem Land der Welt ( ausser vielleicht Frankreich und Italien) gibt es besseres Brot als in Deutschland. Zuerst hatte ich Angst es gibt hier gar kein Brot, wie in Holland, ein Land das so nahe an Deutschland liegt und es trotzdem auf die Reihe bekommen hat sich jeglicher vernünftigen Brotbackkultur zu entziehen. Ich bin in Surry Hills in eine Bäckerei gegangen. Ich schwöre, das Brot sah von Weitem echt aus! Um ehrlich zu sein war es nach einer Woche trockener Lagerung erträglicher als zum Zeitpunkt der Erstehung. Nachdem ich mich bei meinen Mitbewohnern beschwert hatte, empfahl Moe mir einen Bäcker um die Ecke, der richtiges Brot verkauft. Die Schlange vor dem Laden, und die Preise die man in der Regel bei diesem Bäcker vorfindet erinnern mich an die Zeiten der Lebensmittelrationierung die ich nie erlebt habe… Aber das Brot ist tatsächlich zumindest in der Konsistenz dem deutschen Brot ähnlich, und wenn man viel Butter, Käse und Tomate draufmacht und die Augen schließt könnte man meinen es wäre ein richtiges Brot!
  • Wenn ihr je nach Australien kommt bringt viel Alkohol mit. Dat is düer hier.
  • Unser Haus wird komplett von innen gestrichen! Das ist grossartig, denn für horrende Mietpreise bekommt man hier trotzdem nur winzige, heruntergekommene Kaschemmen, und nun bekommen wir für nur wenige Tage unerträgliche Umstände ein fein renoviertes Haus, wo die Farbe hoffentlich nicht mehr schimmelnd von der Badezimmerwand abplatzt.
  • Das mit den Aborigines ist komisch hier. Da liegt in der Tat so Einiges im Argen… Es gibt ziemlich viele Ghettos wo “Indigenous Australians” leben, da traut sich nicht mal die Polizei hin. Was in Europa nicht so wirklich präsent ist, ist dass die Ureinwohner Australiens schon seit über 40.000 Jahren hier leben. Daran ist so einiges bemerkenswert: Zur Gattung Mensch gehörend stammen die Ureinwohner vom Affen ab, davon gab es aber ursprünglich in Australien keine, und Australien war schon immer eine Insel. Das bedeutet, dass die Aborigines schon 30.000 Jahre bevor irgendeine andere Menschenrasse überhaupt auf die Idee kam ein Boot zu bauen, die Seefahrt beherrscht haben müssen! Ganz nebenbei haben sie es sich auf dem so ziemlich ungemütlichsten Kontinent der Welt gemütlich gemacht und es geschafft unter den wirklich inhumansten Umständen eine funktionierende und florierende Kultur mindestens 40.000 Jahre lang am Leben zu halten. Das nenne ich in der Tat mal eine Leistung.
  • Meine Literatur zu Australien (“Downunder” von Bill Bryson) sagt zudem dass es nur einem unglücklichen Zufall zu verdanken ist dass Australien von den Briten und nicht den Franzosen zuerst besetzt wurde, was deswegen unglücklich ist weil diesem Kontinent, wie Bryson so schön sagt, 200 Jahre englische Küche hätte erspart bleiben können. Naja, zum Glück haben die vielen verschiedenen Einflüsse europäischer und vor allem asiatischer Kochkunst dann doch letztendlich zu einer sehr annehmbaren Esskultur geführt. Obwohl man das Restaurant “Löwenbräu” im Stadtteil The Rocks vielleicht meiden sollte…

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