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In Hamburch

Mittwoch, Mai 12th, 2010 | Author: admin

Wer auf die Idee gekommen ist einen Fernsehbeitrag in der Hamburger Innenstadt während der Aufstiegsfeier von Sankt Pauli zu drehen, ist mir unbekannt. Ich war jedenfalls dabei und vom Kamerateam begleitet mittendrin im Gewühl, weil unsäglich viele Leute Fernsehn geguckt haben als die Story von den Phillipinen lief.

Vom Dreh möchte ich eigentlich nicht erzählen, weil sowas meistens daraus besteht dass man irgendwo langgeht oder etwas sagt und der Regisseur sagt: “Das war schön, total super, kannst du das nochmal machen?” oder wahlweise “Genau das Gleiche nochmal, nur ohne (oder wahlweise mit) xyz”.

Viel aufregender ist hingegen der Aufenthalt in einem Hotel, insbesondere weil es selten genug vorkommt, dass ich in einem richtigen Hotel übernachte. Genau genommen ist es erst drei Mal vorgekommen. Dieses Mal gab es einen einzigen Morgen innerhalb von zwei Wochen, an dem ich einmal länger schlafen durfte. Doch wie man sich schon denken kann wurde daraus leider nichts.

Um Punkt sieben Uhr wurde ich durch das Geräusch einer neben meinem Bett aufheulenden Kettensäge brutal geweckt. Diese einmalige Gelegenheit nutzten nämlich einige durchtrainierte und enthusiastische Herren, um im Innenhof genau vor meinem Fenster im Erdgeschoss einen Baum zu fällen. Dabei riefen sie sich lautstark Beschimpfungen, Befehle und derbe Witze zu, die ich nicht dadurch anheizen wollte, dass ich im leichten Nachtgewand am Fenster erschien. Mit dem Kissen über dem Kopf hoffte ich also auf das Ende der Operation. Jedes Mal, wenn das Geräusch erstarb, dachte ich dass es nun ausgestanden sei und dämmerte wohlig in die Stille hinein, nur um Sekunden später wieder rücksichtslos von der Kettensäge wachgebrüllt zu werden. Offenbar gab es viele Äste zu kappen.

Der Baum fiel endlich um zehn Uhr auf das Signal meines Weckers hin. Ich begab mich in den Frühstücksraum. Auf die Frage wie ich denn geschlafen habe anwortete ich: “Ganz vorzüglich”, was ja auch bis sieben Uhr durchaus den Tatsachen entsprochen hatte, nachdem ich durch die in drei Nächten gesammelte Erfahrung endlich den Dreh raushatte, wie ich aus dem Hotelkissen und meiner Jacke eine akzeptable Schlafunterlage fabrizieren konnte.

Ich war spät dran zum Frühstück, und die Servicekraft deckte bereits für den Restaurantbetrieb ein. Sie nahm einige Weingläser herunter und platzierte mich vor einer blütenweissen Tischdecke. Zu Tischdecken habe ich ein gestörtes Verhältnis. Sobald ich mich an einen frisch eingedeckten Tisch setze, ist die Tischdecke nach spätestens fünf Minuten völlig versaut. Dabei mache ich gar nichts! Krümel, Tee und Marmeladenkleckse fliegen, jeglichen Gesetzen der Erdanziehungskraft spottend, wie von selbst am Tellerrand vorbei und landen auf dem Tischtuch, so als würden sie magisch davon angezogen.

Hin und wieder werfen Menschen mir Unachtsamkeit und mangelndes Geschick vor, weswegen ich neulich einfach mal überhaupt nichts gemacht habe. Mit den Händen unter der Tischplatte saß ich einfach nur da und starrte auf meinen Teller. Als schließlich jemand den Teller wegnahm, zeichneten sich auf dem Tischtuch deutlich zwei frische Soßenflecken ab.

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Kintaro

Freitag, November 20th, 2009 | Author: admin

Anfang des Jahrtausends (also schon einige Jahre her) hochgelobt im Sushi World Guide, rühmt sich das Kintaro - Kölns ältestes japanisches Restaurant - seiner vielen prominenten Besucher, allen voran Michael Schuhmacher und Jon Bon Jovi. Wie repräsentativ diese Herren für den durchschnittlichen Sushifreund sind, ist nicht wirklich klar, aber bei einer Einladung stellt sich diese Frage wohl auch nicht. Die Berühmtheiten hatten Kleidungsstücke und Fotos hinterlassen, die nun die Wände “zierten”. Das Wissen, dass Rennfahrer in ihre Anzüge pinkeln, ist nicht gerade appetitfördernd, und dekorativ ist anders.

Aber alte Kölner Urgestein-Restaurants haben wohl ihre Eigenheiten, und das muss man nehmen wie es ist. Leider hatte der Laden ansonsten eher wenig Eigenheiten, und die sonstige Einrichtung darf man mit gutem Gewissen als lieblos bezeichnen. Japanische Restaurants neigen zu spartanischer (äh…japanischer - ihr wisst schon) Einrichtung, doch in diesem Fall erinnerte das Ambiente eher an eine bessere Kantine mit Kissen. Einfache, zerkratzte Holztische, leicht ungepflegte Toiletten ohne jeglichen hygienischen Komfort, die Karten handgeschrieben und laminiert ohne jeglichen Stil, und der Farbanstrich an der Wand hatte auch schon gelitten. Aber bei so gutem Essen, wie es angepriesen wurde, kann man wohl über so etwas hinwegsehen, oder?

Ich bestellte meine vielgeliebten Kürbismaki als Vorspeise, und als Hauptgericht Ente für 12 €, dazu Reis, für den nochmal ein extra Obulus verlangt wurde. Das Sushi begeisterte mich nicht gerade. Es war warm (aber nicht frisch, da durchgewärmt) und der Seetang trocken und gummiartig. Das Wasabi war direkt mit eingerollt worden, was zwar der Tradition entspricht, aber heutzutage eigentlich nirgendwo in Deutschland gemacht wird, weil es eben Leute gibt, die keine Wasabi mögen. Die kleine Portion Ente kam mit einer Salatbeilage, die aus einfachem Blattsalat mit ein paar Möhrenstreifen bestand. Kulinarisch auf Kantinenniveau. Das Fleisch war qualitativ sehr hochwertig, doch leider noch sehr englisch (tja, das mit den Kulturen…) und deswegen eine echte Herausforderung für die Kauleiste. Für mehr als dreizehn Euro, die winzige Reisportion mitgerechnet, ziemlich enttäuschend.

Io nahm gegrillte Dorade. Der Fisch war absolut köstlich und wundervoll gewürzt. Leider entsprach die Portion einem Appetizer und der Preis einem Hauptgericht. Da wir immer noch vom Hunger geplagt wurden , bestellten wir Tempura - Shrimps im Mehlteig gebacken. Für schlappe 17 € bekamen wir einen Teller mit sechs großen Shrimps und einigen Gemüsestücken. Die Tempurahülle war mehlig und nur leicht knusprig - alles in allem lecker, aber nicht umwerfend. Mein Stiefvater, der restlos begeistert und mit ungeübter Hand versuchte, seine Stäbchen zu kontrollieren, hatte ein Menü bestellt. Das Menü war mit unter 30 Euro verhältnismäßig günstig, das Essen völlig Ordnung. Einzige Highlights waren die Suppe und das Grüntee-Eis zum Schluss.

Der Laden war proppenvoll, der Service nett, aber gehetzt und nicht sehr aufmerksam. Die deutsche Herrin des Ladens stand am zentralen Anlaufpunkt direkt neben unserem Tisch und bemühte sich majestätisch, alles unter Kontrolle zu halten. Ich fragte mich Folgendes: Wenn der Laden schon so lange so gut läuft, dann hätten bei den Preisen doch mal eine Grundsanierung drin sein müssen, oder?

Fazit:

Man hatte den Eindruck, dass dieser Laden schon sehr lange routiniert und mit Erfahrung geführt wird, dass das Hauptaugenmerk jedoch nicht auf der Zufriedenheit der Kunden liegt, sondern darauf, dass es halt irgendwie läuft, und dass im Laufe der Zeit die Liebe zum Detail, der Wunsch nach Optimierung und das Hinterfragen von Gegebenheiten auf der Strecke blieben.

So wie wir es erlebt haben ist das Kintaro völlig überschätzt. Wer nicht so häufig japanisch isst und Michael Schuhmacher und HP von Scooter als Beispiele für guten Geschmack sieht, mag sich hier wohlfühlen. Fakt ist jedoch, dass man woanders für das gleiche Geld deutlich besser (und mehr) essen kann, und das bei besserem Service, stilvollerem Ambiente und angenehmerer Atmosphäre.

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Lebenslauflüge

Montag, Oktober 05th, 2009 | Author: admin

Wir haben neulich das erste Mal einen chinesischen Lieferservice aus der Umgebung wahrgenommen, und wollten den Abend in tiefer Entspannung mit glutamatverzückten Geschmacksnerven vor einem spannenden, nervenzerfetzenden Film verbringen. Das verhältnismäßig teure Essen schmeckte - o-ton Io - wie eingeschlafene Füße, der Film war genauso mittelmäßig. Das Honiggebäck vom Türken als Nachspeise konnte zumindest den Restabend dann noch retten…

Gestern beschlossen wir es richtig zu machen. Also haben wir selbstgewählten Wein mit feinem Sushi kombiniert, unseren Kamin angemacht und uns mit dem Essen auf ein paar Schaffelle davor gefläzt… jetzt riecht unsere Wohnung zwar nach Lagerfeuer, aber das ist es in jedem Fall wert!

Da wir chinamäßig jetzt ja etwas enttäuscht wurden sind wir quasi gezwungen auf Sushi auszuweichen, was etwas teurer ist. Damit das finanziell weiterhin drin bleibt suche ich mir nun einen neuen Nebenjob, heute habe ich bereits vier Bewerbungen rausgehauen. Problematisch ist dabei weniger das Anschreiben als vielmehr der Lebenslauf.

Mein Lebenslauf umfasst in seiner vollen Gründlichkeit mit allen Auszeichnungen, Qualifikationen, Joberfahrungen und so fort nämlich gute zwei bis drei Seiten. Natürlich lässt sich vieles einfach rauskürzen, aber man kann sich auch nicht mit der gleichen Formulierung wie für einen Masterstudiengang als Kassiererin bewerben. Ist es eine Lüge wenn man die Praktika im Medienbereich und Jobs als Produktionsassistenz weglässt und stattdessen die zweimonatigen Sommerjobs und das Jahr bei McDonalds als Arbeitserfahrung betont? Ist es eine Lüge wenn man aus zwei Monaten drei macht weil es einem auch so lange vorkam? Oder wenn man den Schulwechsel nach dem ersten Jahr weglässt weil er den Lebenslauf nur unübersichtlicher machen würde? Ist ein Lebenslauf nicht sowieso eine Riesenlüge wenn man einfach Dinge so drehen kann wie sie gerade passen?

Ich weiss es nicht, aber wahrscheinlich ist es (wie in vielen Fällen) einfacher als die reine Wahrheit. Außerdem bin ich geübt darin Dinge zu verdrehen, ich kann nämlich sehr schlecht lügen.

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Frühstück

Montag, September 14th, 2009 | Author: admin

Wie gemein ist das denn, wenn man morgens aufsteht und auf seinem Frühstücksplatz eine Praline findet? Wo eine ist sind schließlich noch mehr, und wenn der Mann Pralinen eingekauft hat, dann findet man die auch. So hat man schon vor dem Frühstück vier bis fünf dicke Schokokugeln intus. Vielleicht wollte er mich auch nur darauf aufmerksam machen, dass er einkaufen war… ;-)

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Bohrmaschinenqueen

Freitag, September 11th, 2009 | Author: admin

Nun habe ich zumindest ersatzweise Internet (danke für den Tipp, Andi). Das Auto ist nur haftpflichtversichert und die Scheibe muss ausgetauscht werden, die Domain gehört immer noch jemand anderem, die Geheimagenten an meiner Universität verweigern mir bislang aufgrund eines Registrierungsfehlers das ‘cum laude’ und der Trommler trommelt circa sechs Stunden am Stück jeden Tag, was zwar gesagt werden muss aber eigentlich nicht schlimm ist, weil es mich nicht sehr stört und ich es vielmehr extrem bewundernswert finde, wobei ich nicht wissen möchte was für Drogen an dieser Leistung beteiligt sind.

Langsam lichtet sich auch das Chaos in der Wohnung, so dass man den Kamin bald vielleicht auch sehen kann und er nicht durch Kisten verdeckt wird. Ich darf mich jedenfalls mit Fug und Recht bald als Bohrmaschinenqueen bezeichnen. Fast hab ich mich schon an die drei Quadratmeter voller Werkzeug in unserer Küche gewöhnt…

Da wir ja nun einen Kamin und eine große Küche haben und die Zeit der Gemütlichkeit immer näher rückt, haben Io und ich beschlossen uns nicht daran zu stören dass wir nicht auf dem Land wohnen, und allerlei Früchte mit Schnaps aufgesetzt. Man muss ja vorsorgen und sich ein wenig Sommer in die karge Zeit mitnehmen. Aus dem Garten von Ios Eltern wurden wir mit massenweise Johannisbeeren versorgt, die nun mit Kandiszucker, Fenchelsamen und Anis in Korn eingelegt auf der Fensterbank stehen. Als Experiment haben wir zusätzlich noch einmal Mango mit Chili aufgesetzt, einmal Brennesseln mit Walnüssen und in einem anderen Gefäss Datteln mit frischer Minze und Kardamon. Das Ganze muss nun mehrere Wochen lang stehen. Ich bin sehr gespannt…

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Daitokai

Montag, September 07th, 2009 | Author: admin

Zu unserem mehrjährigen Beziehungsjubileum lud Io mich ins “Daitokai” in Köln ein, ein japanisches Restaurant, in dem das Essen am Tisch zubereitet wird. Als wir ankamen war es noch vollkommen leer, doch schon bald wurden zwei weitere Paare an unsere Tischplatte gesetzt und das Restaurant füllte sich. Die äußerst netten Bedienungen trugen Kimonos, die Verständigung haperte authentischerweise an manchen Stellen. Die ständigen Entschuldigungen sind auch eine kulturelle Eigenart der Japaner, die man als Westler nicht persönlich nehmen sollte.

Ein Menü im Daitokai kostet zwischen 50 und 60 Euro pro Person. Wir entschieden uns für das “Iroli Spezial”, das zwar etwas teurer war aber statt Sushi frisch zubereiteten Fisch bot. Io bestellte einen Aperitif mit dem klangvollen und passenden Namen “Samurai”, bei dem es sich um Whisky mit Pflaumenlikör handelte. Mein “Geisha-Cocktail” bestand aus mir unbekannten Zutaten und war mindestens genauso lecker.

Als Vorspeise gab es zunächst marinierte Lachsstreifen auf Gemüse, vorbereitet aus dem Kühlschrank. Der zweite Gang waren marinierter Thunfisch, Schwarzwurzeln mit Sesam und irgendeine Pastete, alles irgendwie farblos und aus dem Kühlschrank. Ich hasse pikantes Essen, das vorbereitet und kalt aus dem Kühlschrank kommt. Alles hat genau die gleiche Temperatur, die Aromen sind betäubt und die Geschmacksnerven lassen sich leichter täuschen. Ausserdem weiss man nicht, wann das Ganze zubereitet wurde. Es schmeckt immer nach Flugzeugessen, das, egal wie viel Mühe der Koch sich gegeben hat, eben immer nach Flugzeugessen schmeckt. Wenn man mir genau das Gleiche in einer Kantine vorgesetzt hätte, ich hätte mich sicherlich nicht gewundert.

Dann jedoch wurden wir für unsere Geduld belohnt. Feinstes, saftiges Lachfilet, frische Garnelen und Jakobsmuscheln wurden mit etwas Gemüse von einer hübschen, nervösen jungen Japanerin in Kochuniform (und amüsanterweise mit einem Hanfblatt als Gürtelschnalle) fachkundig zerlegt und vor unseren Augen auf der Platte gebraten. Auch die Soße reduzierte sie auf der Platte mit Butter und Bratensaft. Es war nicht nur ein Augenschmaus, die Zubereitung des Essens zu sehen ohne dabei selbst einen Handschlag tun zu müssen, auch geschmacklich war es grossartig. Besonders der Lachs war zum Niederknien, und die Portion war dazu grosszügig bemessen.

Dementsprechend satt fühlten wir uns danach, doch man liess uns genügend Zeit um neuen Appetit zu entwickeln. Am Salat gab es nichts zu meckern, aber er half nicht wirklich dabei und raubte trotz meiner Grünzeugdisposition meiner Meinung nach nur wertvollen Magenplatz, weshalb ich ihn stehen liess. Langweilig wurde die Zwischenzeit überhaupt nicht, weil es ständig etwas zu sehen gab. Nicht ein einziges Mal musste ich meinen Wein selbst nachschenken, und nur die beständigen Entschuldigungen des Kellners der dieses tat verursachten mir ein schlechtes Gewissen dafür…

Als Hauptgericht hatte ich Ente in Orangen-Teriyaki-Soße und Io hatte Schwertfisch gewählt. Dazu gab es Gemüse und Reis. Beides war frisch und absolut köstlich, ohne jede Einschränkung. Aufgrund unserer Beobachtungen liessen wir unseren Nachtisch gegen einen Aufpreis “upgraden”. Auf der Platte wurden kleine Crepes aufgewärmt, Eis angeschmolzen und beides flambiert. Die Köchin stach ein kleines Herz aus einem der Crepes, und legte ihn so auf das mit Fruchtsoße begossene Eis, das ein rotes Herz in der Mitte blieb. Das ausgestochene Crepestück legte sie als helles Herz auf die andere Portion. Dazu gab es frische Früchte, mit angeschmolzenem Eis übergossen. Ein Traum, der trotz unseres Sättigungsgrades zur Gänze vernichtet wurde.

Am Ende waren wir sehr satt und und sehr sehr glücklich. Wir würden jederzeit wieder hingehen und zum Kennenlernen war das Menü äußerst gut. Beim nächsten Mal würden wir uns jedoch vielleicht trotzdem die Mühe machen und uns selbst ein Menü zusammenstellen, wobei ich persönlich die Flugzeuggänge vermeiden würde.

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Küchenträume

Mittwoch, September 02nd, 2009 | Author: admin

Sechs starke Männer haben im Schweisse ihres Angesichts meine 600 Kilo schwere Waschmaschine ins Dachgeschoss getragen. Wahrscheinlich reden sie die nächsten zwei Monate nicht mehr mit mir.

Io und ich machen Arbeitsteilung: Er baut die Küche auf und schliesst Herd und Spüle an während ich simultan koche - mit Gehörschutz. Da sich unsere Beziehung gestern jährte gab es Feinkost: Feigen mit Schinken als Entree, Garnelen in einer rotweingespritzten Kokosnuss-Ingwer Soße mit Aubergine, Zucchini, Champignons, Zuckerschoten & Möhren, dazu Basmati-Reis, als Nachtisch Tiramisu und ein leckerer Tempranillo - meine neue Lieblingsrebsorte. Interessanterweise hatte ich das koenästhetische Gefühl, das der Gehörschutz meinen Geschmackssinn beim Abschmecken leicht beeinträchtigt hat… trotzdem ist es gut geworden.

Io und ich haben die falsche Arbeitsplatte gekauft. Sie ist hübsch, ohne Frage, und sie war billig. Leider passt sie entgegen unserer Annahme nicht zur Buchenholzfront der Küche, was äußerst ärgerlich ist. Die Küche ist riesig udn wunderschön, aber nun wird die gestalterische Harmonie empfindlich durch diesen Widerspruch gestört, wenn man es bemerkt. Vielleicht bemerkt es ja keiner. Aber tödlich ist allein der Gedanke, dass jemand sich heimlich über unsere geschmacklose Küche lustig machen könnte. Noch schlimmer ist aber die Vorstellung von einem Gastgeber, der sich allererstes für seine Arbeitsplatte entschuldigt und darauf hinweist dass es sich um einen Unfall handelt. Nun, gut es ist unangenehm. Aber wir sind äußerst glücklich. Wenn man bei Kerzenlicht unter der Dachschräge in sitzt und die Sonne an der Skyline untergehen sieht, dann fällt die unpassende Arbeitsplatte sowieso gar nicht auf.

Ja, wir haben großes Glück. Der Garten hinter dem Haus ist heruntergekommen, zugewachsen und zugemüllt. Und doch, ein Traum. Er ist klein, aber liegt zur Südwestseite raus. Es wächst ein Zierwein dort, wilde Erdbeeren um die Treppenstufen, Hagebutten, Himbeeren, ein Fliederstrauch. Drumherum sind kleine Holzzäune, Bäume und noch mehr Gärten. Ein verwunschener Garten. Genauso verwunschen wie das Treppenhaus, dessen schwarzer Stein ohne den ganzen Dreck, Staub und Kippen wahrscheinlich einer Treppe zu Valhalla würdig wäre. Wir sind sehr glücklich.    

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massive mudcake baby

Montag, August 24th, 2009 | Author: admin

Unter Kurt wohnt Benno. Benno hat auch lange blonde Haare, sieht fast genauso aus wie Kurt und hat eine Landgothic-Freundin ( Landgothics mögen Rockmusik, sind einfach, bodenständig, fahren auf Festivals und sind trotz rotgefärbter Haare ansonsten eher spießig und tragen Brillen zu Pannesamtkleidern oder Metalshirts). Grundsätzlich eine symphathische Angelegenheit, man muss sich nur bisweilen vor zu einfachen Weltbildern oder gesellschaftlicher Verbitterung in Acht nehmen.

Mein Handgelenk tut vom Akkord-Anstreichen weh, genauso wie der Rest meines Körpers. Zum Glück habe ich bald eine Badewanne, in die ich mich hineinlegen und dank rockiger Nachbarn in satten Dezibeln ‘Massive Attack’ aufdrehen kann. Konträr zum ersten Eindruck des Namens ist das kein Gehämmer sondern  ernst zu nehmende Badewannenmusik.

Ich habe es aber tatsächlich geschafft noch ein wenig Ferien zu machen: Mit dem Motorrad ins Freibad, zwei Lagerfeuernächte, ein extrem schokoladiger Schokokuchen und ein neues (zugegeben wieder leicht niveauloses aber spaßiges) Lied, in dem es um eben diesen Schokokuchen geht: “Chocolate mudcake baby”.

I had it on you baby/you had in on me babe/we had it on each other all nigt long/ we had some chocolate mudcake baby/so sweet and sticky baby/chocolate mudcake and some redwine from your bellybutton baby.

You gave it to me baby / right from the oven baby / made me salivate yeah / hot and fresh chocolate mudcake / chocolate mudcake baby/so sweet and sticky baby/chocolate mudcake and some redwine from your bellybutton baby.

When the sun rose you said / stay for breakfast lady / I’ll make you tea and we’ll have sweet and sticky chocolate mudcake / chocolate mudcake baby/so sweet and sticky baby/chocolate mudcake and some tea with milk and sugar baby.

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Selbstfindung

Mittwoch, August 05th, 2009 | Author: admin

Ich habe gestern Nacht in einem Zustand körperlicher Erschöpfung plötzlich in mein Inneres Selbst geblickt, und dabei die Essenz meines Seins erfahren. Mein Geist wanderte durch etwas Weiches, Helles hindurch und befand sich mitten darin. Hier und da gab es ein paar süße, dunkle Flecken, und kleine Luftblasen im Raum. Diese Erfahrung war wundervoll und einzigartig, und doch überraschte sie mich nicht. In meinem tiefsten Inneren wusste ich schon immer, dass die Essenz des Seins Muffinteig ist.

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Bessi

Freitag, Juli 17th, 2009 | Author: admin

Bessi ist ein Hund. Oder ein Glatthaar-Meerschweinchen auf Anabolika, so genau hat das noch niemand festgestellt. Bessi führte bislang ein sehr verwöhntes und freizügiges Hundeleben auf dem Lande: Verhätscheltes Nesthäkchen einer liebenden Familie, viel Auslauf auf den Feldern eines großen Bauernhofes und vogelfreies Herumstreunen in der dörflichen Nachbarschaft, die Bessi auch wohlgesonnen ist.

Wegen ihrer fröhlichen Natur war Bessi sehr beliebt, weswegen es neben der Fütterung zu Hause an Leckerchen nie fehlte. Bei Appetit konnte sie sich auch mal an den Abfalltonnen im Dorf oder Nachbars Katzenfutterschüssel bedienen. Dies und das verfressene Wesen des Hundes führten leider dazu, dass Bessi sich nach und nach zu einer riesigen, haarigen Kugel aufblähte und kaum noch laufen konnte.

Irgendwann mussten Herrchen und Frauchen einsehen: Bessi ist zu fett. Also musste Bessi auf Diät gesetzt werden. Ab nun gab es nur noch zu Hause Futter und Bessi durfte nur noch an der Leine unter menschlicher Aufsicht die Nachbarschaft besuchen. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich Erfolge.

Unglücklicherweise hatte das wohlmeinende Frauchen die Anweisungen auf der Futterpackung nicht richtig gelesen und die Futtermenge für Hunde dieser Größe (oder Kleinheit) etwas unterschätzt, so dass Bessi unfreiwillig auf Hungerkur gesetzt wurde und die Diät äußerst erfolgreich anschlug. Bessi bekam keine Gelegenheit mehr, sich anderweitig Futter zu beschaffen und ihr Gejammer wurde ihrem verfressenen Wesen zugeschrieben.

Erst als der Hund immer magerer wurde, begann man sich Sorgen zu machen. Den Fehler bemerkte man allerdings erst, als Bessi eines Morgens mit schlimmen Bauchschmerzen neben einer leeren, zerrupften Pappschachtel aufgefunden wurde. Sie war des Nachts völlig ausgehungert in die Speisekammer eingebrochen und hatte die komplette Packung Trockenfutter geleert. Den Nachdurst löschte das Tier mit einer größeren Menge Wasser, die das Trockenfutter auch noch zum Aufquellen brachte. Ein genaueres Lesen der Verpackungsreste machte klar was dem armen Hund fehlte.

Nach ausgiebigen Entschuldigungen und Leckerchen bekommt Bessi nun wieder ausreichend Futter zu Hause und hält eine sportliche Figur…

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