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Im Regen wandern

Montag, März 09th, 2009 | Author:

Es könnte sein, dass der Titel dieses Eintrags eine ausgeklügelte, bedeutungsschwere und wortspielerische Metapher für eine besonders absurde und interessante Begebenheit ist. Ist er aber nicht. Die Prinzessin und ich waren wandern, in Manderscheid. Romantisch im Regen, durch moosige, neblige Wälder, über charmante Felsgrate mit knorrigen Bäumen und um zerklüftete Burgen. Übernachtet haben wir in einer kleinen Blockhütte. Im Sommer laufen dort schreiende Kinder durch die Gegend, aber nun war ausser uns keine Menschenseele im Hüttendorf, wir hatten ein Bett, eine Heizung und jede Menge zu essen dabei, sowie einen Wein der seit zehn Jahren nur Medaillen gewinnt. (Bisher fand ich jeden Wein, der eine Medaille hatte, grossartig. Ich interpretiere das einfach mal als Zeichen dafür dass ich einen furchtbar edlen und ausgereiften Geschmack besitze…) Nachts heulten läufige Katzen vor unserer Hütte den Mond an.

Wir sind an diesem Wochenende tapfere drei Stunden gewandert, was ich durchaus bemerkenswert finde angesichts der Tatsache dass es entweder stockdunkel oder am regnen war. So verdient man sich sein Mittagessen. Wenn man in die Eifel will oder eher noch hinaus aus der Eifel nach Rock City will, kommt man fast nicht umhin, an Heinens Imbisstube vorbeizufahren. Diese schäbige, mehr als durchschnittliche und eher hässliche Imbisstube wird von einem Fleischer geführt. Und wenn man tapfer ist und sich weder von der allgemeinen Aufmachung, der (durchaus jedoch freundlichen und herzlichen) Bedienung oder den anderen Kunden (die Fritten und Haxen in Obelixgrösse in sich hineinschaufeln) abschrecken lässt, bekommt man für kleines Geld zum Beispiel einen neiderweckenden, mächtigen Wildschweinbraten in Preiselbeersoße mit knusprigen Kroketten und feinstem Rosenkohl in Sauce Bernaise… Hmmmm… :-)

Und was sagt uns das? Kultur gibt’s nicht umsonst, und im Grunde ist das Absonderliche das, was den Reiz jeder Kultur ausmacht. Es gibt Leute die finden es absonderlich in Zelten zu hausen und sich sein Essen über dem Feuer zu brutzeln, andere Leute nennen das Urlaub. Es gibt Leute die finden starre Puppengesichter in Wohnzimmerfenstern vor vergilbten Spitzengardinen schön, ich finde das makaber, und doch gibt es nichts Schöneres als ein Wochenende in der Eifel.

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Category: Reise Weise

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2 Responses

  1. 1
    Elster 

    drei Stunden wandern?
    Ihr Luschen, mein letzter Spaziergang dauerte fast 4 einhalb Stunden.

    (Gut, ich gebe zu, ich hatte das Wort “Flanieren” auch wirklich missverstanden. Woher hätte ich denn wissen sollen, dass das “kampfwandern” bedeutet?) ;)

    Genug von mir,
    ein allgemeiner Kommentar:
    Hör auf deinen Kerl , Prinzessin zu nennen.
    Und wenn du es schon unbedingt machen willst, verwende bitte korrekte Artikel. Also, “der Prinzessin”.
    Wer Rollenverteilungen umdrehen will, kann auch mit Grammtik jonglieren.

  2. 2
    Schwester S. 

    Nach unserer letzten dreistündigen Wanderung (organisiert von meinem Fitnesstempel) sind wir “Bei Manni” gelandet. Das war das erste Mal, das wir haben Pommes mit Mayo zurückgehen lassen. So schwer kann es nicht sein, sollte man meinen. Wildschwein würde mich jetzt nicht wirklich glücklich machen, Opa erst recht nicht, aber der Rosenkohl… :-)

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