Home

Das wandern ist des Koches Lust…

Dienstag, Mai 05th, 2009 | Author:

Wir waren wandern.

Die Alliteration ist zwar hübsch, der eigentliche Akt jedoch höchst anstrengend. Mit dabei: Io, sein alter Freund Lars und dessen siebenjähriger Sohn. Man sollte meinen, dass ein Kind dazu beiträgt dass die Wanderung schonender verläuft, aber der Kleine lief trotz schweren Gepäcks den Weg wahrscheinlich sogar dreimal: Hin, Zurück, in den Büschen verstecken, Papa zanken, Hin, Zurück.

Da wir zwei Nächte im sauerländischen Wald verbringen wollten, hatten wir Einiges an Gepäck dabei. Zudem sind sowohl Io als auch Lars und Sohnemann ausgemachte Hobbits, die mindestens alle zwei Stunden eine Mahlzeit brauchen und diese auch nach allen Regeln der Kunst zubereitet werden muss. Da habe ich natürlich grundsätzlich nichts gegen. Ich vertraue nicht vielen Menschen was Essen angeht, aber bei Lars ist man immer in sicheren Händen.

Neben Äpfeln, kräftigem Brot, geräucherter Wurst, und verschiedenen Käsesorten als Grundnahrung gab es am ersten Abend eine über dem Feuer zubereitete Gemüsesuppe mit Lauch, Möhren, Sellerie und frischen Mettwürsten. Zum ersten Frühstück hatten wir Rührei mit Zwiebeln und abends eine Polentapfanne mit gebratenem Lammlachs, Pilzen, Knoblauch und frischgepflückten Brennnesseln. Am darauf folgenden Morgen gab es zum Frühstück Grießbrei mit Rosinen und Walnüssen.

Am Sonntag wollten wir uns nach einer extra anstrengenden Abschluss-Strecke dann die Einkehr in einer feinen Gaststätte namens “Elfenfohren” gönnen, vier dreckige, nach Feuerrauch und Körperausdünstungen stinkende Gestalten die wir waren. Leider hatte sich eine Konfirmations-Gesellschaft vor uns einquartiert und alle Tische besetzt. Schon völlig fertig liefen wir mehrere Kilometer zur Gaststätte am nächsten Dorfanfang, nur um dort auch festzustellen dass alles voll war und wir gerade den Bus Richtung Heimat verpasst hatten. Unsere Hoffnung im Ort selbst noch etwas zu essen zu finden wurde vom Gasthof “zur Post”, der den grotesken Charme eines Kölner Kiosks besaß und natürlich auch kein Essen anbot, jäh enttäuscht. Schliesslich rafften wir uns in Ermangelung einer Alternative und angesichts eines zombie-artigen Siebenjährigen, der trotz unmenschlicher Tapferkeit kurz vorm Heulen war auf und gingen den ganzen Weg zurück bis nach Elfenfohren. Dort war zwar jetzt ein Platz frei, die Küche aber schon geschlossen. Aufgrund unserer erbarmungswürdigen Lage erklärte sich der Koch aber dann doch bereit uns noch ein Schnitzel mit Pommes, Gemüse und Salat aufzutischen. Trotz oder vielleicht gerade wegen unseres Gestanks und unserer Aufmachung wurden wir mit Hochachtung bedient und das Essen war vom Allerfeinsten. 

Neben uns saßen zwei ältere, wohlhabende Pärchen, die beim Kaffee irgendwann begannen, sich -inspiriert durch unsere Anwesenheit – über Outdoormarken zu unterhalten: “Ja also Jack Wolfskin, das kann man ja tragen wenn es sein muss. Aber so richtig… nein, da ist Fjällräven natürlich besser”. Es ist ja auch ganz besonders wichtig, eine hochwertige Ausrüstung zu haben wenn man im Hotel übernachtet. Man weiss ja nie…

Tags »

Trackback: Trackback-URL | Comments Feed: RSS 2.0
Category: Essen, Reise Weise

You can leave a response.

Leave a Reply