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Bettwäschentrennung

Sonntag, Oktober 17th, 2010 | Author:

Io ist ausgezogen. Der härteste Moment war, als wir vor der gemeinsam ausgesuchten Bettwäsche standen. Weiss, mit blauen Mustern drauf, saubere Wohlfühl-Harmonie-Bettwäsche, zwei Kissenbezüge, zwei Bettdeckenbezüge. Eng aneinander gekuschelt lagen sie da im Schrank und es brach uns fast das Herz. Sollten wir diese unschuldige Zweisamkeit jetzt wegen unserer Trennung zerreissen?

“Die können wir doch jetzt nicht trennen…” seufzte Io. Ich seufzte mit.

“Willst du sie zusammenlassen?” Als redeten wir über die Meerschweinchen…

“Hm…Dann behalt du sie doch einfach.” “Nein, nein, das kann ich nicht machen. Nimm du sie beide mit.” “Ja…ich hätte sie ja schon gerne… aber einer von uns kann ja auch neue kaufen…aber das ist nicht das Gleiche.” “Ja, da hast du recht. Was machen wir denn jetzt?” “Nimm du sie.” “Nein, nimm du sie.” “Ok, ich nehm sie. Bist du sicher dass du sie nicht haben willst?” “Hm, eigentlich will ich sie schon…Und wenn doch jeder eine nimmt?”

Wir einigten uns am Ende schweren Herzens darauf unsere Bettwäschen-Sensibilität zu überkommen und die armen Bettwäschen der Gerechtigkeit halber doch zu trennen. Fernbeziehungen sind ja auch heutzutage was ganz Normales, nicht?

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So isset

Samstag, Juli 24th, 2010 | Author:

Viele werden jetzt fragen: Warum das denn? Und es hat doch alles so prima funktioniert? Und das stimmt auch. Aber im richtigen Leben ist das natürlich nicht so einfach, und manchmal, da muss man einfach mal was ändern, damit das Leben weiterfließt, auch wenn es vorher gut war. Und eine Trennung ist natürlich auch nicht so einfach, aber das ist ja jedermann selbst klar, deswegen hier die euphemistische Fassung:

Neulich habe ich gelesen, dass man sich öfter mal von Dingen freimachen sollte, einfach so. Das fand ich eine interessante Idee, also habe ich mich gleich mal von meinem Freund getrennt, mein Portemnaie in der nächsten Kneipe liegenlassen und meinen Schlüsselbund weggeworfen. Man mag jetzt behaupten, dass ich impulsiv sei und zu Extremen neige, aber die Wirkung ist geradezu fantastisch: Ich sehe mehr Freunde, weil mein eigener Kühlschrank leer ist, muss nicht mehr mit zugehaltenen Augen an Geschäften vorbeigehen um dem Kaufzwang zu entgehen, trage keine Verantwortung mehr für einen zwei Kilo schweren Schlüsselbund und auch nicht für einen Mann. Io ist auch froh, weil er nun ungescholten grünkarierte Hemden tragen darf und ein eigenes Zimmer hat, in dem ich keine Klamotten auf den Boden werfen darf.

So isset, sagt der Öcher, und wenn sich dat nich ändert, bleibt dat auch so.

Meine Wohnung wird daher jetzt eine WG und ich caste fleissig Mitbewohnerinnen. Eigentlich würde ich lieber mit einem Mann zusammenleben, weil die unkomplizierter sind, aber eben leider auch selten sozial bzw. wg-tauglich ausreichend zurechtgeschliffen… Also suche ich eine Frau die ein bisschen wie ein Mann ist. Was das wohl über mich aussagt…

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Filosofisches zur Musik

Dienstag, Juni 22nd, 2010 | Author:

Musik zu machen ist vergleichbar damit, eine Beziehung zu einem anderen Menschen zu führen. Wie die Liebe zu einem Menschen kann auch die Liebe zur Musik nur eine bedingungslose Liebe sein. Man findet nur dann sein Glück in ihr, wenn man voller Ambition und frei von jeder Erwartung an sie herangeht. Viele Menschen machen Musik um berühmt zu werden, oder erhoffen sich von einer Beziehung, durch den anderen erhöht zu werden. Sie sind enttäuscht wenn es nicht klappt, während wieder andere ganz ohne Ambition sind, sie stecken nicht genug Seele und Kraft in diese Beziehung und beginnen irgendwann sich zu langweilen.

Man braucht Leidenschaft und gleichzeitig viel Geduld. Es braucht ungestüme, gewaltige Emotionen um der Liebe die Töne zu entlocken, die sie lebendig machen und sie zum sprechen bringen. Doch nicht immer bekommt man das, was man fordert, der Ton ist zum xten mal daneben gegangen und was man hört entspricht nicht den eigenen Erwartungen. Ohne Geduld endet man damit den Geliebten/die Geliebte zu verfluchen und zumindest wenn es sich um ein Instrument handelt selbiges gegen die nächste Wand zu werfen und zu zertrümmern.

Man muss lieben mit Willensstärke und Disziplin, und doch muss man sich leiten lassen von seinen Gefühlen. Mit Willensstärke ist gemeint, dass es manchmal notwendig ist, dem Instrument seinen Willen aufzuzwingen, nicht nachzugeben und um die Liebe zu kämpfen. Gleichzeitig muss man aber auch in der Lage sein, dem anderen zu vertrauen und sich leiten zu lassen. Man muss mit Disziplin tausendmal die gleichen Töne spielen, den Abfall raustragen, unbeirrbar weiter gehen und überhaupt willens sein auch dann zu lieben wenn es gerade schwierig ist, die Lust eine Weile nachlässt oder andere Dinge wichtiger erscheinen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass man in der Routine untergeht und mechanisch Tonleitern und Liebesschwüre herunterbetet. Nein, man muss seinen Gefühlen nachspüren und auch in die kleinen Dinge Liebe hineinlegen.

Doch die Liebe braucht noch mehr. Man braucht das Selbstbewusstsein um Grenzen zu überschreiten, Dinge zu fordern und man muss zugleich in der Lage sein die eigenen Fehler einzugestehen und an sich zu arbeiten. Wenn man vor einem Instrument sitzt und sich sagt: “Das kann ich nicht, ich bin schlecht und habe es ja auch gar nicht verdient dieses tolle Instrument zu spielen…” ja, da würde sich wohl jede Gitarre mitleidig abwenden und nach einem Musiker suchen, der bereit ist es mit ihr aufzunehmen. Auch reicht es nicht, zufrieden mit dem zu sein, was man bekommt, sonst bleibt der Klang der Liebe wie der klägliche Vortrag eines Blockflötenaspiranten, und die Gewalt der Oper bleibt denen vorbehalten, die sich wagen danach zu streben. Doch Symphonien können auch nur entstehen wenn man an sich arbeitet und wenn man seine Fehler anschauen kann ohne dabei den Glauben an sich selbst aufzugeben.

Ich werde jetzt Lasagne essen und danach meiner Gitarre ein paar zärtliche Töne entlocken…

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Intime Züge

Donnerstag, Mai 20th, 2010 | Author:

Seit neuestem fahre ich ja immer mit dem Zug zur Arbeit. Das ist sehr schön, weil die Fahrt nur zehn Minuten dauert und man so ein paar Minuten hat um morgens hoch und abends wieder runter zu kommen.

Dabei hört man so allerlei Sachen. Aus irgendeinem Grunde vertreiben sich viele Leute die Zeit im Zug mit telefonieren, vielleicht weil sie sich sonst einsam fühlen oder weil die Zeit ja auch immer so drängt und man immer alles direkt kommunizieren muss. Ich glaube, ja ich bin sogar fest davon überzeugt, dass einige Menschen depressiv oder gar wahnsinnig würden wenn es plötzlich kein Internet und keine Mobiltelefonie mehr gäbe. So reden also die Leute am Telefon über allerlei Zeugs, das jedem Hobbysoziologen und Betriebsspion Freudentränen in die Augen treiben würde. Man erfährt nicht nur viel über das Leben der Leute, sondern auch über ihre Beziehungen.

Gestern saß eine junge Frau genau neben mir und führte eine extensive Beziehungsbeendungsdiskussion mit ihrem (Ex)-Freund, der offensichtlich Probleme gehabt hatte sich eindeutig für sie zu entscheiden, dies aber nun bereute, sich aber immer noch nicht ganz sicher war und nun eruieren wollte ob es nicht doch klappen könnte, während sie nicht gewillt war mit mangelhaftem Engagement seinerseits zu leben, die Freundschaft -die er ja ursprünglich statt der Beziehung gewollt hatte- aber erhalten werden könnte, in welchem Falle er jedoch auch davon abzusehen hätte gewisse Sms mit Fragen über ihr derzeitiges Sexualleben, Träume oder Essverhalten zu schreiben, da ihn das ja nun nichts mehr anginge, er müsse sich also jetzt entscheiden was er wolle.

Wie er darauf reagierte wissen weder ich noch die Frau, weil die Verbindung abbrach. Dann stieg ich aus, weil man muss aufhören wenn es am Spannendsten ist.

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