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Dream dream dream

Montag, Oktober 19th, 2009 | Author:

“I could make you mine,

taste your lips of wine

every time, night or day

the only trouble is (jewis!),

I’m dreaming my life away…”

Drei Tage Weinladen. Drei Nächte lang Träume voller Weinflaschen, Gläser und roter Flüssigkeit. Morgens um zehn schon den Geschmack von Sekt auf der Zunge, um zu prüfen welcher frischer und besser zur Verkostung geeignet ist. Käse der nach Gülle schmeckt und Käse der nach Urlaub in Frankreich schmeckt. Guter Wein, gutes Geld und gutes Gefühl – bis auf die Träume, die wirr und quälend sind. Ich renne und renne, ohne vorwärts zu kommen, der Atem und die Kraft gehen mir aus, ich bin verwirrt und durstig. Auf meiner Zunge nur der finstere, blutige, trockene Geschmack von Wein.

Ich könnte eine Ausbildung in dem Laden machen, die ich nicht brauche und die mich für zwei Jahre verpflichten würde. Aber dann wäre ich erst mal sicher. Oder einfach das Semester irgendwie rumkriegen, mit schöner Arbeit und ein paar nutzlosen Scheinen, orientieren, einen Schritt zurückgehen um Anlauf zu nehmen für etwas Neues, das mich wegbringt von den Medien und Computern und Ausbeutern und brotlosen Geisteswissenschaften. Denn ich brauche Brot. Brot und Wein.

Category: Fast Wichtiges, Job, UNI (nteressant), wies so geht | Leave a Comment

Generation Y

Samstag, September 19th, 2009 | Author:

Soziologen und Marketingfachleute nennen uns gerne “Dschänöräischen Uai”. Wir, das sind die Kinder, die ohne Krisen und Kriege aufgewachsen sind. Wir sind die “Kohl-Kinder”, nicht deswegen weil nur Kohl auf den Tisch gekommen wäre, sondern weil wir bis in unsere späten Teenager-Jahre hinein unter einer fast fatal stabilen Regierung leben durften. Wir sind die Kinder der Baby-Boomer, die bisher Gesellschaft und Wirtschaft fest im Griff hatten. Wir profitieren vom wirtschaftlichen Erfolg unserer Eltern und, im Gegensatz zur etwas perspektivlosen Generation X, können und dürfen wir alles.

Ja, wir haben es schon gut. Wir können studieren und ins Ausland gehen, sieben Praktika machen oder eine Weltreise, falls wir uns nach dem Bachelor noch nicht entscheiden können. Mama und Papa sitzen stolz zu Hause und erzählen den Nachbarn dass er Sohnemann gerade in London studiert oder durch Australien reist. Wir sind Mama’s und Papa’s kleine Statussymbole, und je mehr wir erleben und reinpacken in unser Leben, desto stolzer sind sie.

Überhaupt haben wir so viele Möglichkeiten wie keine Generation zuvor. Selbst wenn das Geld knapp ist, stehen uns Wege in alle Richtungen offen. Wir haben keine Angst mehr vor Hierarchien, wir sind mit jedem Chef per du, lieben die Herausforderung und sind auch selbstbewusster als jede Generation vor uns. Das alles denkt man so über uns, aber in Wirklichkeit ist es schwieriger als man meinen sollte.

Wir machen keine Praktika weil das so viel Spaß macht, sondern weil wir einen Weg suchen und weil wir müssen. Es ist nicht mehr so einfach einen Job zu finden. “Warum bewirbst du dich denn nicht einfach?” fragen völlig verständnislose Eltern, die in einer Zeit aufgewachsen sind, als man noch die Stellenanzeigen in der Zeitung durchsucht hat. In einem völlig zerfaserten System, in dem alle wichtige Arbeit eigentlich von Maschinen erledigt oder grauenhaft bezahlt wird, versuchen wir uns zu profilieren. In unseren Bewerbungen steht dass wir alles können und alles wollen. Aber unser Zeitplan ist nicht so voll, weil wir so unersättlich sind, sondern weil man von uns erwartet, dass wir alles wollen und erreichen. Dabei scharrt die Generation nach uns schon mit den Hufen, nur dass die nächste Generation noch cooler ist und alles worauf wir so stolz waren schon im Grundschulalter lernt.

Wir wissen nicht, was wir wollen, weil alle wollen, dass wir alles wollen. Was sind wir noch wert, wenn wir kein Auslandssemester, kein Praktikum, keine Spanischkenntnisse haben, kein Yoga machen und Skifahren während wir uns gleichzeitig ehrenamtlich engagieren und schon sieben Jahre Berufserfahrung gesammelt haben? Und egal was wir machen, es macht die Sache nicht einfacher. Es ist Standard geworden, alles gemacht zu haben. Und dann stehen wir da und können uns nicht entscheiden. Weil es so viele Wege gibt und keiner begehbar aussieht. Weil wir uns immer noch etwas besser auf irgendetwas vorbereiten wollen, von dem wir nicht wissen was es ist und ob wir es je erreichen.

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