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Dream dream dream

Montag, Oktober 19th, 2009 | Author:

“I could make you mine,

taste your lips of wine

every time, night or day

the only trouble is (jewis!),

I’m dreaming my life away…”

Drei Tage Weinladen. Drei Nächte lang Träume voller Weinflaschen, Gläser und roter Flüssigkeit. Morgens um zehn schon den Geschmack von Sekt auf der Zunge, um zu prüfen welcher frischer und besser zur Verkostung geeignet ist. Käse der nach Gülle schmeckt und Käse der nach Urlaub in Frankreich schmeckt. Guter Wein, gutes Geld und gutes Gefühl – bis auf die Träume, die wirr und quälend sind. Ich renne und renne, ohne vorwärts zu kommen, der Atem und die Kraft gehen mir aus, ich bin verwirrt und durstig. Auf meiner Zunge nur der finstere, blutige, trockene Geschmack von Wein.

Ich könnte eine Ausbildung in dem Laden machen, die ich nicht brauche und die mich für zwei Jahre verpflichten würde. Aber dann wäre ich erst mal sicher. Oder einfach das Semester irgendwie rumkriegen, mit schöner Arbeit und ein paar nutzlosen Scheinen, orientieren, einen Schritt zurückgehen um Anlauf zu nehmen für etwas Neues, das mich wegbringt von den Medien und Computern und Ausbeutern und brotlosen Geisteswissenschaften. Denn ich brauche Brot. Brot und Wein.

Category: Fast Wichtiges, Job, UNI (nteressant), wies so geht | Leave a Comment

Geld

Montag, September 07th, 2009 | Author:

So hin und wieder wird man brutal darauf aufmerksam, wie weit die Welten auseinanderklaffen in denen Leute mit und ohne Geld leben. So zum Beispiel wenn bei “Frauentausch” das Luxusmodel mit der Metzgereifachfrau tauscht. Oder wenn ein knapp 18-jähriger in Lacoste-Hemd und Designerschuhen sein I-Phone rauszieht, das er sicherlich nicht mit Malerarbeiten verdient hat, sondern von Papa bekommen hat. Er kann nicht wissen was das wert ist, selbst wenn er den Preis kennt. Eine meiner ehemaligen Klassenkameradinnen bekam zum 18. Geburtstag einen BMW Z3, eine meiner ehemaligen Studienkolleginnen musste abbrechen weil sie sich die Gebühren nicht leisten konnte. Ein guter Freund von mir fuhr jeden Tag über 100 Kilometer mit dem Fahrrad und ernährte sich tagelang von Toastbrot mit Nutella – für mehr reichte das Geld nicht.

Arm und Reich scheidet sich zum Beispiel an der Frage, ob man sich zehn Euro für ein Taxi leisten kann oder nicht. Es gibt Menschen, für die das niemals in Frage käme, für die 10 Euro eine Welt sind. Es gibt Menschen, die nicht einmal darüber nachdenken müssen, und für die selbst 100 Euro für einen Partyabend noch eine Selbstverständlichkeit sind. Es gibt auch die Menschen dazwischen – die sich manchmal ein Taxi leisten, die auch manchmal 100 Euro oder 1000 Euro für Dinge ausgeben, aber die eben auch darüber nachdenken müssen.

Geld macht Dinge mit Menschen. Kein Geld zu haben auch. Natürlich würden die meisten Menschen, wenn sie die Wahl hätten, ein Leben mit viel Geld ohne Nachzudenken vorziehen. Die Vorteile sind schließlich unübersehbar: finanzielle Sicherheit, gutes Essen, tolle Kleidung, materielle Lebensqualität, Mobilität, soziale Bevorteilung… Aber Geld hat nicht nur Vorteile. Denn die Freiheit und das Ansehen, die man dadurch gewinnt, sind in den meisten Fällen nicht umsonst. Geld ist nämlich vielfach nur etwas wert, wenn man die Leute um einen herum davon überzeugen kann, das man genug Geld hat und einflussreich und vertrauenswürdig ist. Man bezahlt dafür mit Etikette, und dem gesellschaftlichen Zwang bestimmte Dinge tun zu müssen und bestimmten Trends zu folgen um sich dieses Ansehen zu erhalten.

Neulich hat mich etwas nachdenklich gemacht. Im Einwohnermeldeamt sah ich einen Menschen sitzen, der nicht besonders viel Geld hatte. Er frühstückte Walnusseis aus der Dose. Das sah mir nach einer freien Entscheidung aus, und ich war ein bisschen neidisch. Selbst mit gerade genug Geld in der Tasche hatte ich das Gefühl, mir das nicht erlauben zu können. Nicht das, um diese Uhrzeit und schon gar nicht in einem öffentlichen Gebäude.

Wer arm ist, hat Narrenfreiheit. Kein Geld zu haben dient oft als Entschuldigung dafür, sich daneben zu benehmen, andere für sein Unglück zu beschuldigen oder einfach nur Eier aus Bodenhaltung und Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen weil es billig ist, auch wenn das Nachdenken über Alternativen und das Einschränken des Konsums vielleicht moralischer wäre.Dann sah ich, das das es das billige, fiese, zusammengepanschte Walnusseis von der Firma x war, nicht das unglaublich leckere Markeneis aus Milch von glücklichen Kühen und Walnüssen von glücklichen Bäumen. Das war mit Sicherheit keine freie Entscheidung.

Einerseits kann man es sich mit mehr Geld natürlich eher leisten, sich für Umwelt und Mitmenschen zu engagieren, umweltschonende Dinge zu kaufen und zu spenden. Auf der anderen Seite ist man jedoch auch anfälliger dafür, sich doch den dicken, tollen Wagen zu kaufen, den Tropenholztisch, den Pelzmantel, den seltenen Fisch zu essen und Menschen die weniger Geld haben zu “kaufen”, in welcher Form auch immer – schließlich hat man es sich verdient, und will auch nicht immer ein schlechtes Gewissen dafür haben, dass man es sich leisten kann, mal eben mit dem Wagen zu fahren statt zu Fuß zu gehen und weder auf die Wasser- noch die Stromrechnung zu achten. Man vergisst, was eine Tüte Milch kostet, und vielleicht hat man es auch nie erfahren. Für einige Menschen ist Geld eine solche Selbstverständlichkeit, dass sie völlig gedankenlos damit umgehen und meinen, dass sie ein natürliches Recht auf all die Dinge haben, die sie erkaufen können.

Mit Geld kann man sich Träume erfüllen. Manche Menschen träumen davon, sich nicht zwischen einem Gucci- und einem Pradakleid (aus dem eigenen Kleiderschrank natürlich) entscheiden zu können, aber je mehr Geld man hat, desto geringer ist auch der “Mehrwert”. Träume sind keine Träume wenn man nichts dafür tun muss um sie zu erfüllen und sie selbstverständlich sind. Freundschaften scheinen durch Geld einfacher zu werden, aber die Wahrheit ist anders gelagert. Vielfach macht Geld die Menschen oberflächlicher, und die Einfachheit des Lebens echte Freundschaften nicht mehr so notwendig. Das merkt man allerdings in Krisenzeiten, dann, wenn das Geld knapp wird oder man wirklich mal mit jemandem reden muss. Die alte Volksweisheit, das Geld den Charakter verdirbt, ist vielleicht doch nicht so weit hergeholt.

Ich glaube, dass Geld eventuell glücklicher macht. Aber ich würde nicht mit jemandem tauschen wollen, für den es eine Selbstverständlichkeit ist. Ich hätte gerne genug um mich sicher zu fühlen, und ich möchte nie vergessen wie es ist keins zu haben, denn meine Freunde, Träume und moralische Integrität sind mir wichtiger. Außerdem möchte ich die Freiheit haben, an einem öffentlichen Ort auf dem Fußboden sitzen zu dürfen und Walnusseis zu frühstücken, mit genug Geld in der Tasche, um mir das Leckere zu leisten…

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