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Romantik

Donnerstag, Juli 08th, 2010 | Author: admin

Der Chef heiratet. Nicht nur, dass er in drei Tagen für eine Ewigkeit in Flitterwochen fährt und ich mich einigermaßen verzweifelt frage wie ich es schaffen soll den Laden in der Zeit zu schmeissen… nein, es rufen auch ständig Leute während irgendwelcher Meetings an und wollen zum Beispiel wissen, ob es nun creme- oder champagnerfarbene Servietten sein sollten. Das ist gruselig.

Ansonsten herrscht pure Romantik. Märchenhafte Fußballspiele, traumhaftes Wetter… Vor meinem Bürofenster eine Landschaft aus Cafes, glücklichen Menschen die unter Sonnenschirmen Zeitung lesen, Milchschaumkaffees trinken und freie Tage genießen. Und über allem die ergreifenden, stimmungsvollen Melodien des Akkordeonspielers.

“Ich bring ihn um!” brüllt mein Chef, packt sich eine Vuvuzela und trötet lauthals aus dem Fenster. “Ich hasse Akkordeonspieler! Und dann spielt der auch noch immer das gleiche Lied!” Ich finde es wunderbar.

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Fußball-Emos

Freitag, Juni 18th, 2010 | Author: admin

Im Büro geht nichts mehr. Meine männlichen Kollegen sind in schlechter Verfassung, besser keine falschen Bewegungen oder Sprüche in dieser Situation. Vor dem Fenster brüllende Massen: “Scheiss auf Serbien! Scheiss auf Serbien!” Peinlich. Es sind Kinder, die einen zu viel gehoben haben und nun ihrer Enttäuschung Luft machen wollen. Die Polizei steht am Rand des Platzes und hält Wache.

Fußball ist eine sehr emotionale Sache. Letzten Freitag war im Büro die Hölle los, tausende von dringenden Anrufen, Terminen, organisatorischen Sachen die geklärt werden mussten. Ich fahre mit dem Chef bei einem unserer Kunden etwas abholen, wir haben es sehr eilig. Mario, der Verkaufsleiter: “Ich muss gerade noch meine Tipps beim Firmentippspiel abgeben.” Chef:”Ihr macht ein Tippspiel?” Mario:”Ja, willste auch? Ein Zwanni für jeden.” “Auf jeden Fall!” “Ok. Südafrika gegen Mexiko?” “Oh. Hm…Also die Südafrikaner sind ja schon fit…” so geht es die nächste halbe Stunde.

Mein weibliche Intuition sagte mir, dass es ein 2:1 oder 1:0 für Serbien gibt. Als ich dies im Büro verkündete, sagten mir alle, dass dies Quatsch und meine Meinung als Laie und Frau hier nicht gefragt sei. Jetzt starren mich alle böse an, als sei es meine Schuld dass ich Recht hatte…

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In Hamburch

Mittwoch, Mai 12th, 2010 | Author: admin

Wer auf die Idee gekommen ist einen Fernsehbeitrag in der Hamburger Innenstadt während der Aufstiegsfeier von Sankt Pauli zu drehen, ist mir unbekannt. Ich war jedenfalls dabei und vom Kamerateam begleitet mittendrin im Gewühl, weil unsäglich viele Leute Fernsehn geguckt haben als die Story von den Phillipinen lief.

Vom Dreh möchte ich eigentlich nicht erzählen, weil sowas meistens daraus besteht dass man irgendwo langgeht oder etwas sagt und der Regisseur sagt: “Das war schön, total super, kannst du das nochmal machen?” oder wahlweise “Genau das Gleiche nochmal, nur ohne (oder wahlweise mit) xyz”.

Viel aufregender ist hingegen der Aufenthalt in einem Hotel, insbesondere weil es selten genug vorkommt, dass ich in einem richtigen Hotel übernachte. Genau genommen ist es erst drei Mal vorgekommen. Dieses Mal gab es einen einzigen Morgen innerhalb von zwei Wochen, an dem ich einmal länger schlafen durfte. Doch wie man sich schon denken kann wurde daraus leider nichts.

Um Punkt sieben Uhr wurde ich durch das Geräusch einer neben meinem Bett aufheulenden Kettensäge brutal geweckt. Diese einmalige Gelegenheit nutzten nämlich einige durchtrainierte und enthusiastische Herren, um im Innenhof genau vor meinem Fenster im Erdgeschoss einen Baum zu fällen. Dabei riefen sie sich lautstark Beschimpfungen, Befehle und derbe Witze zu, die ich nicht dadurch anheizen wollte, dass ich im leichten Nachtgewand am Fenster erschien. Mit dem Kissen über dem Kopf hoffte ich also auf das Ende der Operation. Jedes Mal, wenn das Geräusch erstarb, dachte ich dass es nun ausgestanden sei und dämmerte wohlig in die Stille hinein, nur um Sekunden später wieder rücksichtslos von der Kettensäge wachgebrüllt zu werden. Offenbar gab es viele Äste zu kappen.

Der Baum fiel endlich um zehn Uhr auf das Signal meines Weckers hin. Ich begab mich in den Frühstücksraum. Auf die Frage wie ich denn geschlafen habe anwortete ich: “Ganz vorzüglich”, was ja auch bis sieben Uhr durchaus den Tatsachen entsprochen hatte, nachdem ich durch die in drei Nächten gesammelte Erfahrung endlich den Dreh raushatte, wie ich aus dem Hotelkissen und meiner Jacke eine akzeptable Schlafunterlage fabrizieren konnte.

Ich war spät dran zum Frühstück, und die Servicekraft deckte bereits für den Restaurantbetrieb ein. Sie nahm einige Weingläser herunter und platzierte mich vor einer blütenweissen Tischdecke. Zu Tischdecken habe ich ein gestörtes Verhältnis. Sobald ich mich an einen frisch eingedeckten Tisch setze, ist die Tischdecke nach spätestens fünf Minuten völlig versaut. Dabei mache ich gar nichts! Krümel, Tee und Marmeladenkleckse fliegen, jeglichen Gesetzen der Erdanziehungskraft spottend, wie von selbst am Tellerrand vorbei und landen auf dem Tischtuch, so als würden sie magisch davon angezogen.

Hin und wieder werfen Menschen mir Unachtsamkeit und mangelndes Geschick vor, weswegen ich neulich einfach mal überhaupt nichts gemacht habe. Mit den Händen unter der Tischplatte saß ich einfach nur da und starrte auf meinen Teller. Als schließlich jemand den Teller wegnahm, zeichneten sich auf dem Tischtuch deutlich zwei frische Soßenflecken ab.

Category: Essen, Job, Reise Weise | Leave a Comment

New Job

Donnerstag, April 22nd, 2010 | Author: admin

Irgendetwas scheine ich an mir zu haben, was Leute dazu veranlasst, mir spontan ihr Vertrauen zu schenken. Das ist etwas sehr Schönes. Es führt allerdings auch dazu, dass mir genauso spontan und zeitgleich jede Menge Verantwortung übertragen wird. Weswegen ich bereits am dritten Tag meines neuen Jobs eine wichtige Promotionaktion im Wettlauf gegen die Zeit organisieren darf, weil mein Chef und mein Subchef mit ihrem Fußballverein unterwegs sind.

Das ist durch und durch positiv, denn es zeugt von der entspannten und freunschaftlichen Atmosphäre die hier herrscht, ich lerne sofort alle möglichen Geschäftskontakte kennen und muss nicht den ganzen Tag wie der letzte Praktikant gelangweilt auf einen leeren email-Kasten starren. Es verspricht also sehr abwechslungsreich zu werden, daher bin ich froh doch nicht in der großen, grauen Werbeagentur gelandet zu sein…

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Vorgestellt

Dienstag, März 23rd, 2010 | Author: admin

Io ist hin und wieder ein Ausbund an sprudelnder Kreativität. Ich hatte mich bei einer großen Werbagentur beworben und wollte mich nun dort vorstellen - mein erstes Vorstellungsgespräch in einem großen Unternehmen. Vertrauensvoll fragte ich den lebenserfahrenen Io um seinen Rat.

“Man muss Fragen stellen.” sagte er.

“Ach nee. Was denn zum Beispiel? Es muss ja irgendwie intelligent sein und tieferes Interesse und Sachverständnis rüberbringen…”

“Wie wäre es mit: ‘Gibt es in der Kantine glutenfreies Essen?’ oder ‘Sind die Arbeitsräume auch schadstoffgeprüft? Ich bin nämlich allergisch.’ Oder wie wäre es mit: “Werden Maus und Tastatur auch im Zweiwochenturnus chemisch gereinigt und sterilisiert? Da fängt man sich ja alles, das wissen Sie sicher…”

“So ein Quatsch. Eher was Spezielles, welche Software benutzt wird, was für Kunden…”

“Die benutzen alle das Gleiche. Frag lieber nach dem Typus der Kaffeemaschine. Wenn du schon dabei bist kannst du auch gleich fragen ob der Kaffee Fair Trade ist, weil das von moralischem Interesse für dich ist.”

“Danke für den Tip. Warum will ich eigentlich in die Werbung? Jetzt mal ohne ständig auf Kreativität rumzureiten…”

“Hm. Sag einfach es ist eine pure Trotzreaktion. Alle haben dir davon abgeraten in die Werbung zu gehen, deswegen musst du es jetzt unbedingt probieren. Oder du schwärmst davon wie kaputt und am Ende die Branche ist, und sagst dass dich der morbide Charme des Untergangs fasziniert.”

Zum Glück waren die Leute in der Agentur sehr nett, so dass ich während des Gesprächs nicht an Ios wohlgemeinte Ratschläge denken musste.

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Arbeitslos

Montag, November 16th, 2009 | Author: admin

Jetzt bin ich nicht nur ein Studienabbrecher, sondern auch ein Taugenichts. Mein Chef, auch genannt “der Sonnenkönig” - jetzt darf ich es ja sagen - hatte nach der Probezeit genug von mir. Die Begründung war eher schwammig und die Entscheidung mehr persönlich und aus dem Bauch heraus getroffen, die übrigen Mitarbeiter geschockt und verständnislos. Zum Glück habe ich in den letzten Wochen hart an meiner positiven Einstellung gearbeitet, und daran, das zu nehmen, was kommt. So bin ich nun ganz froh darüber, nicht mehr unter gutsherrlicher Beobachtung zu stehen und frei zu sein für einen Job für den man sich keinen ganz so großen Stock in den A…llerwertesten rammen muss.

Problematisch ist nur, dass ich trotz der herausragenden Leistungen meiner medialen und akademischen Bildung nun wieder eine arbeitslose Studienabbrecherin bin, und der nächste Job vermutlich nicht so prestigeträchtig sein wird. Sehen wir es positiv, es gibt meinem bisher lückenlosen und strebsamen Lebenslauf ein wenig verruchten Charme. Ich fühle mich sehr rebellisch. Noch.

Naja, ganz so cool bin ich dann doch nicht, es verunsichert natürlich und kratzt am Ego, aber vielleicht sollte man sich in einer solch unsicheren Arbeitsgesellschaft nicht so sehr über seinen Job definieren.

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Von Mäusen und Mäusen

Dienstag, Oktober 27th, 2009 | Author: admin

Heute unterhielt ich mich mit meiner Professorin über meine Bedenken wegen meines Studienganges. Sie sagte wörtlich: “Also ich habe auch lange mit meinem Gewissen gerungen ob man die Leute hier wirklich so in die Arbeitslosigkeit reinstudieren lassen kann.” Ich habe die Sache für mich gelöst und werde diesen Studiengang nicht weiterstudieren. Wie sie die Sache mit ihrem Gewissen gelöst hat sagte sie mir allerdings nicht.

Mein Chef ist Weinhändler. Er war bei der Marine, und kann Mäuse mit blossen Händen fangen.

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Dream dream dream

Montag, Oktober 19th, 2009 | Author: admin

“I could make you mine,

taste your lips of wine

every time, night or day

the only trouble is (jewis!),

I’m dreaming my life away…”

Drei Tage Weinladen. Drei Nächte lang Träume voller Weinflaschen, Gläser und roter Flüssigkeit. Morgens um zehn schon den Geschmack von Sekt auf der Zunge, um zu prüfen welcher frischer und besser zur Verkostung geeignet ist. Käse der nach Gülle schmeckt und Käse der nach Urlaub in Frankreich schmeckt. Guter Wein, gutes Geld und gutes Gefühl - bis auf die Träume, die wirr und quälend sind. Ich renne und renne, ohne vorwärts zu kommen, der Atem und die Kraft gehen mir aus, ich bin verwirrt und durstig. Auf meiner Zunge nur der finstere, blutige, trockene Geschmack von Wein.

Ich könnte eine Ausbildung in dem Laden machen, die ich nicht brauche und die mich für zwei Jahre verpflichten würde. Aber dann wäre ich erst mal sicher. Oder einfach das Semester irgendwie rumkriegen, mit schöner Arbeit und ein paar nutzlosen Scheinen, orientieren, einen Schritt zurückgehen um Anlauf zu nehmen für etwas Neues, das mich wegbringt von den Medien und Computern und Ausbeutern und brotlosen Geisteswissenschaften. Denn ich brauche Brot. Brot und Wein.

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Lebenslauflüge

Montag, Oktober 05th, 2009 | Author: admin

Wir haben neulich das erste Mal einen chinesischen Lieferservice aus der Umgebung wahrgenommen, und wollten den Abend in tiefer Entspannung mit glutamatverzückten Geschmacksnerven vor einem spannenden, nervenzerfetzenden Film verbringen. Das verhältnismäßig teure Essen schmeckte - o-ton Io - wie eingeschlafene Füße, der Film war genauso mittelmäßig. Das Honiggebäck vom Türken als Nachspeise konnte zumindest den Restabend dann noch retten…

Gestern beschlossen wir es richtig zu machen. Also haben wir selbstgewählten Wein mit feinem Sushi kombiniert, unseren Kamin angemacht und uns mit dem Essen auf ein paar Schaffelle davor gefläzt… jetzt riecht unsere Wohnung zwar nach Lagerfeuer, aber das ist es in jedem Fall wert!

Da wir chinamäßig jetzt ja etwas enttäuscht wurden sind wir quasi gezwungen auf Sushi auszuweichen, was etwas teurer ist. Damit das finanziell weiterhin drin bleibt suche ich mir nun einen neuen Nebenjob, heute habe ich bereits vier Bewerbungen rausgehauen. Problematisch ist dabei weniger das Anschreiben als vielmehr der Lebenslauf.

Mein Lebenslauf umfasst in seiner vollen Gründlichkeit mit allen Auszeichnungen, Qualifikationen, Joberfahrungen und so fort nämlich gute zwei bis drei Seiten. Natürlich lässt sich vieles einfach rauskürzen, aber man kann sich auch nicht mit der gleichen Formulierung wie für einen Masterstudiengang als Kassiererin bewerben. Ist es eine Lüge wenn man die Praktika im Medienbereich und Jobs als Produktionsassistenz weglässt und stattdessen die zweimonatigen Sommerjobs und das Jahr bei McDonalds als Arbeitserfahrung betont? Ist es eine Lüge wenn man aus zwei Monaten drei macht weil es einem auch so lange vorkam? Oder wenn man den Schulwechsel nach dem ersten Jahr weglässt weil er den Lebenslauf nur unübersichtlicher machen würde? Ist ein Lebenslauf nicht sowieso eine Riesenlüge wenn man einfach Dinge so drehen kann wie sie gerade passen?

Ich weiss es nicht, aber wahrscheinlich ist es (wie in vielen Fällen) einfacher als die reine Wahrheit. Außerdem bin ich geübt darin Dinge zu verdrehen, ich kann nämlich sehr schlecht lügen.

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Müsli

Mittwoch, März 18th, 2009 | Author: admin

Ich habe gute Laune. Das passiert morgens manchmal. Vielleicht liegt es daran, dass ich mein Müsli aufgegessen habe…

Seit über sechs Jahren arbeite ich gelegentlich für eine Firma, die Gerichtssendungen für das Boulevardfernsehen produziert. Ich bin “Standby”. Meine Aufgabe ist es, mehrere Rollen zu lernen und im Notfall einzuspringen falls derjenige, der die Rolle spielen soll, sich plötzlich ein Bein bricht, nicht kommt, ohnmächtig wird oder sonstwie versagt. Dazu fahre ich ins Studio, sitze mit anderen Standbys den ganzen Tag herum, kriege Geld und je nach Fortüne leckeres bis völlig miserables Essen. Da man natürlich wissen will wie sich derjenige, den man im Notfall ersetzen soll, denn gerade anstellt, zieht man sich auf dem vorhandenen Übertragungsfernseher alle Sendungen rein die gerade gedreht werden.

Da sieht man nicht nur, was die Anwälte - die übrigens echte Anwälte sind - manchmal reden wenn Drehpause ist, sondern man bekommt auch andere lustige Dinge mit. Es gibt zum Beispiel eine gewisse künstlerische Freiheit in der genauen Wortwahl bei der Interpretation der Rollen, und so durfte ich eines Tages Zeuge werden wie ein kleiner, dicker “Zuhälter”, der zwar Dreck am Stecken hatte, aber in diesem Fall zu Unrecht beschuldigt war, dem völlig konsternierten Juristen an den Kopf warf: “Wenn Sie misch linken wollen, Herr Staatsanwalt, dann müssen’se morjens Ihr Müsli aufessen!”

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